: „Wir erwarten eine Goldmedaille!“
Ureinwohner-Aktivistin Isabell Coe über die Proteste der Aborigines während der Spiele und über die Rolle der 400-Meter-Läuferin Cathy Freeman: „Sie läuft für unser Land und für uns Aborigines“
taz: Welches Bild will Australiens Regierung Ihrer Meinung nach mit den Olympischen Spielen vermitteln?
Isabell Coe: Die Regierung versucht ein rosiges Bild von Australien zu zeichnen. Das entspricht aber überhaupt nicht der Wahrheit. Wir führen deshalb eine traditionelle Zeremonie durch, die zur Heilung unserer Nation beitragen soll.
Warum wollen Sie und andere Aborigines während der Spiele protestieren?
Wir kämpfen gegen den Genozid und für die Souveränität der Aborigines. Wir protestieren damit aber nicht gegen die Olympischen Spiele. Wir sind vielmehr aktiv, weil wir für Frieden und Gerechtigkeit sind.
Mit welchen Protesten der Aborigines ist am Eröffnungstag zu rechnen?
Wir protestieren nicht, wir machen nur eine Zeremonie. Wir haben im Victoria Park ein Camp zur Erhaltung des Friedens eingerichtet. Wir fordern „Peacekeeper“ auf, zu uns zu kommen und zur Beendigung des völkermörderischen Kriegs gegen die Aborigines aufzurufen. Wir kämpfen für unser Überleben. Dazu bedienen wir uns eines „Feuers für Frieden und Gerechtigkeit“. Das gibt es jetzt seit fast drei Jahren und es stammt von der Zeltbotschaft der Aborigines in Canberra, wo es in Anlehnung an die älteste Zeremonie der Welt eingerichtet wurde.
Ursprünglich haben einige Aborigines den Boykott der Spiele gefordert. Warum ist davon heute keine Rede mehr?
Wir wollen, dass die Welt herkommt und die echten Spiele der Schande für Australien sieht. Wir wollen, dass die Welt Zeuge von dem wird, was in unserem Land vor sich geht.
Die 400-Meter-Läuferin Cathy Freeman ist als Aborigine in Australien eine nationale Ikone.
Sie ist unser Champion – Champion der Aborgines.
Zeugt der hohe Respekt weißer Australier für Freeman vom schlechten Gewissen der Bevölkerungsmehrheit gegenüber den Aborigines?
Das spielt keine Rolle. Freeman ist trotzdem unser Champion, auch wenn sie darüber hinaus noch Champion der Australier ist. Sie läuft für unser Land und für uns Aborigines.
Was erwarten Sie von Aborigines-Sportlern wie Freeman während der Spiele?
Eine Goldmedaille natürlich. Und dann soll Cathy Freeman eine Ehrenrunde mit der Fahne der Aborigines durch das Stadion laufen. INTERVIEW: SVEN HANSEN
Umverteilung gegen rechts
Die taz schreibt, redet und diskutiert für Pluralismus und eine freie, offene Gesellschaft – besonders jetzt, wo der Rechtsextremismus weiter erstarkt und demokratische Institutionen angreift. Dort wo rechtsextreme Kräfte an Zustimmung gewinnen, wächst auch die Befürchtung vor zunehmenden Angriffen und Diffamierungen gegen Gegner*innen extrem rechter Politik. Besonders selbstverwaltete Orte spüren diesen Druck, dabei brauchen wir gerade jetzt Orte der Kritik, (Sub)Kultur und der Solidarität. Gerade jetzt müssen wir zusammenhalten und uns solidarisch mit denjenigen zeigen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit „Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen