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Wieso Burschenschaften in Göttingen Ärger provozierenProtest gegen Männerbünde

Foto: Jungsfoto: dpa

In Göttingen haben Burschenschaften eine lange Tradition. Schon Heinrich Heine witzelte 1824 bei seinem Besuch in der Universitätsstadt über die veralteten Bräuche der Verbindungen und ihrer rückwärts gewandten Vorstellungen. Schon damals herrschte in den Burschenschaften kaum libertärer Geist. Das hat sich bis heute kaum geändert. Darum gingen am vergangenen Montag rund 300 Menschen in Göttingen unter dem Motto „Die rechte Konjunktur lahmlegen. Männerbünde auflösen“ auf die Straße. Es flogen Farbbeutel und Böller gegen die Fassade eines Verbindungshauses.

Nach Angaben des Demonstrations-Bündnisses häuften sich Übergriffe von Rechtsextremisten und Verbindungsstudenten in den vergangenen Wochen. So sei etwa am 11. Juli ein Paar in der Göttinger Innenstadt von einem Northeimer Neonazi angegriffen worden. Drei Tage später habe ein Mitglied der Landsmannschaft Verdensia den Sprecher einer studentischen Wohnrauminitiative vom Fahrrad gezerrt und am Knie verletzt. Die Polizei ermittelt gegen den Angreifer.

Bereits am 19. Juni sei aus dem Haus der Burschenschaft Germania mit einer Luftdruckwaffe auf das geöffnete Fenster einer gegenüberliegenden Wohngemeinschaft geschossen worden, in der gerade eine Band probte. Die Polizei stellte später in den Räumen der Burschenschaft zwei Soft-Air-Gewehre sicher und leitete Ermittlungen wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung ein.

Andreas Speit

arbeitet als freier Journalist und Autor über die rechte Szene nicht nur in Norddeutschland

In einem Brief an die studentische Wohnraum­initiative hat sich die Burschenschaft Germania für das „gewaltsame Verhalten“ entschuldigt und erklärt, dass den mutmaßlichen Schützen die Wohnungen gekündigt wurden. Die Initiative bedankte sich, betonte im Antwortbrief allerdings: „Auch bei einem friedlichen, nachbarschaftlichen Verhältnis wird für uns der Tag ein Höhepunkt sein, an dem Sie Ihren elitären Männerbund auflösen.“

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