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■ Das PortraitWiens Purpurträger

Seit Hans Hermann Groer 1986 als Nachfolger des eher weltläufigen Kardinals Franz König zum Erzbischof von Wien bestellt wurde, belustigte der nunmehr 75jährige Kirchenfürst nicht nur Agnostiker. Auch in der Herde der Gläubigen bog sich so mancher vor Lachen, wenn sich der purpurgeschmückte Sonderling in seinem kautzigen Tremolo und mit süßlichem Silbenspiel den Engeln und der Gottesmutter anempfahl.

In den vergangenen beiden Wochen ist das Gelächter verstummt. Marias Verehrer soll höchst weltlichen Verkehr gepflegt haben. Das enthüllte ein Ex-Zögling des Knabenseminars Hollabrunn im österreichischen Wochenblatt profil. Dem heute 31jährigen Josef Hartmann brachte Groers jüngster Hirtenbrief in Rage, in dem dieser kundtat: „Weder Unzüchtige noch Götzendiener, weder Ehebrecher noch Lustknaben, noch Knabenschänder werden das Reich Gottes erben.“ Denn vor mehr als zwanzig Jahren habe Groer, so Hartmann detailreich, ihn im Knabenseminar in die Dusche gelotst, und „mit hochrotem Kopf mein Glied gereinigt.“ Im Bett hat er sich an Hartmann gedrückt und „mir die Zunge in den Mund gesteckt.“

Hans Hermann Groer Foto: AP

Ein Wutgeschrei brach los. Von den Bischofsstühlen aus allen Ecken des traditionell katholischen Landes erschollen Solidaritätsrufe mit Groer und Verdammnisworte gegen Hartmann. Unerreicht blieb der Bischof von St. Pölten, Kurt Krenn, diese Fleisch gewordene Gegenreformation: Er hieß Hartmann „eine Kranke Seele“. Nur Groer schwieg.

Und er schwieg weiter, obwohl nun immer mehr Zöglinge des verirrten Hirten ihre einschlägigen Erlebnisse öffentlich machen.

Zuletzt trat die österreichische Bischofskonferenz zusammen. Noch am Mittwoch wurde Groer – allerdings mit schlaffer Mehrheit – als Vorsitzender der Bischofskonferenz bestätigt. Tags darauf legte er diesen Posten nieder. Anzeichen, daß Groer auch als Erzbischof von Wien abtreten könnte, gibt es zur Zeit nicht. Bliebe er im Amt, würde er sich um das Land verdient machen: Sein Beitrag zur finalen Säkularisierung Österreichs wäre unschätzbar.

Doch der Druck auf den Gottesmann wächst. Mehr als 60 Prozent der Katholiken glauben, daß die Vorwürfe „sicher“ oder „wahrscheinlich“ stimmen. Doch der Kardinal scheut immer noch die Öffentlichkeit wie der Teufel das Weihwasser und tut das einzig erfolgsträchtige:

Beten, beten, beten. Robert Misik

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