■ Wiener Atomenergiebehörde: Nordkorea tritt aus
Wien (dpa/taz) – Lange hatten die Vertreter der Internationalen Atomenergie-Organisation IAEO versucht, ihre Probleme mit Nordkorea in diplomatische Worte zu kleiden. Und die gab es von Anfang an genug: Obwohl Nordkorea dem Atomwaffensperrvertrag bereits im Jahr 1985 beitrat, stimmte die Regierung in Pjöngjang erst 1992 dem „Garantieabkommen“ der Wiener Behörde zu. Damit öffneten sie ihre Atomanlagen – zumindest auf dem Papier – den Inspektoren der IAEO.
Im vergangenen Jahr bekamen ihre Techniker heraus, daß Pjöngjang alles daran setzte, eine gründliche Kontrolle zu verhindern. Sie konnten nicht ausschließen, daß waffenfähiges Plutonium abgezweigt worden war und daß es geheime Anlangen gibt, in denen die Bombe gebaut wird. Daraufhin suspendierte Nordkorea die Mitgliedschaft im Atomwaffensperrvertrag.
Schließlich beschloß das höchste Gremium der 1957 gegründeten Organisation am vergangenen Freitag, die 270.000 US-Dollar nicht zu überweisen, die als Unterstützung für Erhalt und Betreiben der technischen Anlagen gedacht waren. Diesem Gremium, dem Gouverneursrat, gehören 35 der insgesamt 122 Mitgliedsländer an.
Neben der Überprüfung des Atomwaffensperrvertrages – kontrolliert wird nur in sechzig Ländern – zählt sie die „Förderung der Sicherheit von Kernkraftwerken“ zu ihren Hauptaufgaben, liefert den Entwicklungsländern technisches Know- how, fördert die Anwendungsgebiete der Kerntechnik in der Landwirtschaft sowie in der Medizin. Sie unterhält mehr als siebzig Dosemetrielabors zur Eichung medizinischer Strahlenquellen und erarbeitet Richtlinien und Empfehlungen für Reaktorsicherheit und Strahlenschutz.
Die in der Wiener UNO-City angesiedelte IAEO hat zur Zeit 122 Mitglieder. Sie beschäftigt mehr als 2.100 Mitarbeiter und hat einen Jahresetat von rund 200 Millionen Dollar. Geleitet wird die Behörde von dem Schweden Hans Blix.
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