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Wieder Qualm über Moskau

■ Gigantische Torfbrände befürchtet / Fahrverbote auf Waldwegen / In „Gorki Park“ bereits beschrieben

Moskau (taz) – Extrem heißes, trockenes Wetter hält in Zentralrußland seit Mitte Mai an. Fachleute halten die Bedingungen zur Ausbreitung von Torfbränden in den zentralrussischen Sumpfgebieten für günstiger als 1972. Damals war der bisher letzte große Ausbruch von Torfbränden zu verzeichnen, wie sie Mittelrußland periodisch verwüsteten. Alle über dreißigjährigen Bewohner Moskaus erinnern sich, wie die Stadt an Rußwolken erstickte, die den Tag zur Nacht machten, so daß die Autos selbst mittags mit eingeschalteten Scheinwerfern fahren mußten.

Der erste Großbrand in diesem Jahr hat sich bereits in den Meschtschera-Sümpfen, etwa 200 Kilometer östlich von Moskau, entwickelt. Dort entzündeten sich letzte Woche die Lager von drei Torfgewinnungsunternehmen. Über 7.000 Tonnen Torf, das Ergebnis von drei Monaten Arbeit, verwandelten sich in Zunder. Der Gouverneuer des Großbezirks Moskau ordnete Sondermaßnahmen an. Autofahren auf Waldwegen wurde verboten, an den Abzweigungen wacht Polizei. Immer wieder verursachen Datschniki und Ausflügler leichtsinnig Brände. Die Glut dringt in die Tiefe des Torfs und bildet einen hartnäckigen Herd. Feuerwehrleute müssen den harten Grund zu flüssigem Brei aufmischen.

Eine Schilderung der verhaßten Arbeit der Freiland-Feuerwehrleute vor Moskau verdanken wir dem Bestseller-Autor Martin Cruz-Smith in seinem berühmten Krimi „Gorki Park“: „Diese Brandbekämpfung hatte etwas von einer Schlacht. Nur dreißig Kilometer vom Haus entfernt sammelte sich eine Streitmacht aus Hunderten von Feuerwehrmännern, Pionieren und ,Freiwilligen‘ als Infanterie um Löschfahrzeuge, Bagger und Planierraupen [...] Aber sobald sie die erste Feuerschneise überquerten, löste sich die Linie auf. Der Wind sprang um und trieb den Männern beißende Rauchschwaden entgegen. Männer und ganze Raupenschlepper versanken in alten Gräben von früheren Brandaktionen; Helfer in angesengten Kleidern versuchten sich in Sicherheit zu bringen. [...] Sie marschierten weiter, über brennende Moorflächen, an zahllosen Toten vorbei, Opfer eines Krieges, von dem die Öffentlichkeit nur erfahren würde, was die Zeitungen meldeten: daß der Wind Asche von Moorbränden nach Moskau geweht habe.“ Barbara Kerneck

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