: Wie viele ChinesInnen dürfen es sein?
■ 1995 sind es 1.200.000 Millionen / Peking startet neue Geburtenkontrollkampagne
Peking (rtr/taz) – In dieser Woche erwarten die StatistikerInnen in Peking die Geburt des oder der 1,2milliardensten Chinesen oder Chinesin. Nach dem Regierungsprogramm zur Bevölkerungsentwicklung aus den 80er Jahren sollte diese Zahl erst im Jahr 2000 erreicht werden. Deshalb beschloß die chinesische Regierung am Montag ein neues Programm zur Geburtenkontrolle, mit dem der Zuwachs bis zur Jahrtausendwende nun auf 1,3 Milliarden begrenzt werden soll. Dies bedeutet, daß die Zahl der Geburten pro 1.000 Einwohner auf 10 verringert werden müßte. 1993 waren es noch elf, in den 70er Jahren sogar 25 Geburten pro 1.000 Chinesen. Bis 2040 will die Regierung nach eigenem Bekunden ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Geburten und Sterbefällen und damit ein „Nullwachstum“ der Bevölkerung erreichen. 1993 lag der Nettozuwachs in der chinesichen Bevölkerung noch bei 13 Millionen.
Die neue Kampagne, die gestern mit einer Feier in der Großen Halle des Volkes in Peking offiziell eingeleitet wurde, richtet sich vor allem an die Bevölkerung in den ländlichen Regionen, deren einziger Reichtum meist die Vielzahl von Kindern ist. Sie soll aber auch jene Familien ansprechen, die es sich aufgrund ihres gewachsenen Einkommens heute leisten können, die staatlichen Bußgelder für die Geburten zusätzlicher Kinder zu bezahlen. Chinas Bevölkerung ist in den vergangenen 45 Jahren um 648 Millionen angewachsen. Auf sieben Prozent des weltweit verfügbaren landwirtschaftlichen Bodens müssen sich 20 Prozent der Weltbevölkerung versorgen.
Eine Folge der strikten Geburtenkontrolle – bei der es vielfach auch zu Zwangsabtreibungen kam – ist ein Ungleichgewicht von männlichen zu weiblichen Neugeborenen. Obwohl die vorgeburtliche Geschlechtsbestimmung gesetzlich verboten ist, werden vor allem auf dem Lande weniger weibliche Neugeborene registriert. In einigen Landstrichen werden heute über zwanzig Prozent mehr Jungen als Mädchen gemeldet.
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