Wie geht’s? – Muss! : Gewonnen im Männer-Täter-Bingo
Wie weit geht man um sein Bild von hysterischen Frauen zu schützen? Mia aus der Marketing-Abteilung sinniert in der taz-lab-Kolumne #10 über die Reaktionen auf die Vorwürfe gegen Christian Ulmen.
taz lab | Noch beflügelt vom feministischen Kampftag, wurde mir ganz mulmig im Magen, als ich las, was Christian Ulmen seiner langjährigen Ehefrau Collien Fernandes angetan haben soll.
Ich benutze hier nicht den Konjunktiv, weil ich wie viele Männer im Internet auf einmal Jura studiert habe und das Wort „Unschuldsvermutung“ auch im Schlaf rückwärts buchstabieren kann, sondern weil ich nicht morgen einen Brief der Anwaltskanzlei Schertz und Bergmann im Briefkasten haben möchte.
Diese zählt zu ihren Mandanten auch Till Lindemann, Jérôme Boateng und Luke Mockridge. Falls es bei den drei Namen nicht sofort klingelt – in einem Männer-Täter-Bingo könnte man bei den dreien direkt erfolgreich eine Reihe ankreuzen.
Dass nun auch Christian Ulmen bei dieser Kanzlei juristischen Beistand sucht, wundert nicht, wenn man sich anschaut, welche Vorwürfe gegen ihn im Raum stehen. Ulmen soll über Jahre mit Fakeprofilen von seiner Frau andere Männer aus der Branche angeschrieben haben. Außerdem soll er Nacktbilder und Videos als ihre ausgegeben und verschickt haben.
Das alles ist unfassbar schrecklich, aber ich habe mich in den letzten Jahren – so traurig es auch ist – daran gewöhnt, dass man Opfern sexuellen Missbrauchs nicht glaubt. Dass man nun nicht mal mehr den Tätern glaubt, wenn sie in aller Öffentlichkeit ihr abscheuliches Frauenbild herausposaunen, hat mich richtig wütend gemacht.
Ulmen sagt selbst, dass er sein erstes Geld damit verdiente, sich als Frau auszugeben und Männern Telefonsex zu verkaufen. Wenn man eine Serie wie „Jerks“ oder „Who wants to fuck my girlfriend“ schreibt, ist man nicht direkt verdächtig. Aber wenn man dann mit solchen Vorwürfen konfrontiert wird, liegt es doch nahe, eine Verbindung herzustellen. Wir müssen uns wohl eher die Frage stellen, was ein Mann getan hat, als ob er was getan hat.