: Wie Wissmann Umweltschützer wurde
■ Verkehrsminister will Sachsen-Anhalt das Geld für den Straßenbau streichen
Berlin (taz) – Verkehrsminister Matthias Wissmann (CDU) ist vom Straßenbaulobbyisten zum Umweltschützer mutiert. Er will Bundesgelder für den Straßenbau aus Sachsen-Anhalt abziehen – wenn das Land, wie angekündigt, die Südharzautobahn A 82 nicht baut. Freude ob dieser hoffnungsvollen Ankündigung mochte sich selbst im Widerstandscamp, mit dem Umweltschützer von Robin Wood und der Grünen Liga bei Sangerhausen an der geplanten Trasse gegen die A 82 demonstrieren, nicht einstellen. Auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reinhard Höppner (SPD) und Umweltministerin Heidrun Heidecke (parteilos) werteten die Worte des Bonner Ministers als „wenig hilfreiche Drohgebärde“. Immerhin amüsierte sich eine Regierungssprecherin in Magdeburg: „Der will uns Geld streichen, das wir gar nicht brauchen.“
Ein wenig Nachhilfe muß Wissmann noch erteilt werden. „Der geplante Verzicht auf die A 82 zwischen Göttingen und Halle wirkt sich negativ auf die Region aus“, klagte er. Richtig muß es, meint die Grüne Liga Halle, heißen: „Die Autobahn zerstört die letzten zusammenhängenden Naturräume von Sachsen-Anhalt.“ Eingebrockt hat sich der Verkehrsminister die A 82 mit dem Gesetzeswerk „Verkehrsprojekte Deutsche Einheit“. Zu seinem Glück hat sich Rot-Grün zum Sieger der Wahl in Sachsen-Anhalt erklärt und den Verzicht auf die Autobahn in die Koalitionsvereinbarung gesetzt. Das gab der Läuterung des Matthias W. die Basis.
Auf die Probe gestellt wird Straßenbaugegner Wissmann im September. Dann werden sich alle A 82-Beteiligten an einen runden Tisch setzen und über die Alternativen – Autobahn oder Bundesstraße mit Ortsumgehungen – diskutieren. Sollte sich Sachsen-Anhalt doch für die Autobahn entscheiden, wäre das Bundesverkehrsministerium um eine Milliarde Mark ärmer; Mitte 1995 würden in Sangerhausen die Planierraupen rollen. Lorenz Redicker
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