Wetter schadet deutschen Bauern: Hagel und Sonne zehren am Korn

Den Bauern macht das Wetter zu schaffen. Für die Nutzpflanzen nordöstlich der Elbe ist es zu trocken, im Süden wüten Unwetter. Bis zu 35 Prozent des Getreides sind geschädigt.

Sonne satt im Nordosten Deutschlands. Dem Getreide bekommt das nicht so gut Bild: ap

Für die deutschen Landwirte läuft es nicht gut: Im Frühjahr kamen die Bauern vor lauter Nässe kaum auf die Felder. Jetzt drohen die junge Pflanzen nordöstlich der Elbe zu vertrocknen, während sie im Süden vom Hagel erschlagen werden. "Soll gedeihen Korn und Wein, muss im Juni Regen sein", so die Bauernregel. Doch seit Ende April sind in einigen Regionen Deutschlands nur drei Millimeter Regen gefallen - normal wären über 60. Die Kapriolen beim Wetter - hier lang anhaltende Trockenheit, dort Starkregen und Hagel - sind ein Vorgeschmack auf den Klimawandel. Denn genau diese Wetterextreme werden künftig in Deutschland zunehmen.

"Wir brauchen dringend mehr Regen", sagte Jens Rademacher, Getreideexperte des Deutschen Bauernverbandes (DBV). Die Situation verschlechtere sich im Norden und Osten von Tag zu Tag. Am Sommergetreide, das Bauern im Frühling aussäen und im Juli ernten, seien bereits nicht wieder gutzumachende Schäden entstanden. Doch auch das Wintergetreide ist betroffen: DBV-Präsident Wolfgang Vogel erläutert: Weil Herbst und Winter zu nass gewesen seien, hätten die Getreidepflanzen zu kurze Wurzeln ausgebildet. Deshalb erreichten sie die Wasservorräte in der Tiefe nicht. Schon jetzt seien in den ostdeutschen Bundesländern etwa 35 Prozent der Getreideernte geschädigt. Wenn die Trockenheit anhalten sollte, sei nur noch mit der Hälfte des möglichen Ertrags zu rechnen.

Auf Sandböden, die im Osten vorherrschen, ist die Lage besonders alarmierend. "Der Regen aus dem Frühjahr ist schnell durchgerutscht - und jetzt weg", so Holger Brantsch, Sprecher des Landesbauernverbandes Brandenburg. Ein beständiger, warmer Ostwind ziehe, zusätzlich zu den Sonnenstrahlen, Feuchtigkeit aus dem Getreide.

Im Obstbau leidet vor allem die schwarze Johannisbeere unter Wassermangel und wirft kurzerhand Beeren ab, die sie nicht mehr versorgen kann. Erdbeeren bleiben klein und sauer und neu gepflanzte Obstbäume wachsen schlecht. Doch das Obst- und Gemüsegewerbe ist gut aufgestellt: "Die großen Betriebe haben alle Bewässerungsmöglichkeiten", so Rolf Hornig, Obstexperte der Schweriner Landwirtschaftsberatung.

Im Süden regnet es - aber zu viel und zu geballt. Unwetter haben in Baden-Württemberg Feld und Flur überflutet und schwere Hagelschauer richteten in den Weinbergen an der Mosel Schäden an. Viele Winzer müssen die diesjährige Ernte abschreiben und auch mit Einbußen im nächsten Jahr rechnen. In Rheinland-Pfalz erschlugen Hagelkörner auf manchen Feldern die gesamte Erdbeerernte und einzelne Rübenäcker gerieten unter Schlammlawinen. Doch oft ist die Ernte dennoch zu retten: "Zuckerrüben und Wein können wieder auswachsen", so Andrea Adams, Sprecherin des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz. Unwetter träten nur punktuell auf und zum Glück seien Landwirte in Hagelregionen meist versichert - wenn sie genug Geld für die Beiträge übrig haben. Sie wissen: "Es ist selten ein Sommer ohne Hagel und ein Kopf ohne Nagel."

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