: Werbeveranstaltung
■ betr.: „Transrapid I“ und „Trans rapid II“, Kurzmeldungen in der taz vom 31.3.94
Hätte ich nicht selber zumindest die Schlußakkorde des „Reichstagsgesprächs“ der CDU am 29. März zum Thema Transrapid mitbekommen, ich hätte Ihre Meldung, wonach sich Herr Prof. Wicke, Staatssekretär der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz, vehement für den Transrapid von Hamburg nach Berlin ausspricht, für einen Aprilscherz gehalten.
Die Ablehnung der Transrapid- Strecke von Hamburg nach Berlin geht weit über die Grenzen der Umwelt- und Naturschutzverbände hinaus – auch in Berlin. Dafür gibt es viele gute Gründe, und die kennt auch Herr Wicke allzu gut.
Doch wie die Besetzung des Podiums schon vermuten ließ, waren die Veranstalter weniger an einer sachlichen Auseinandersetzung interessiert. Sie wollten offenbar eine Werbeveranstaltung für das Großprojekt und hatten deswegen auch darauf verzichtet, Transrapid-Gegner auf das Podium zu laden.
Die Zustimmung der Berliner Politiker bestätigt einmal mehr, wie perspektivlos der Berliner Senat den Verkehrsproblemen der Region Berlin gegenübersteht. Obwohl die Mauer vor über 50 Monaten gefallen ist, hat er kaum mehr geschafft, als die Konzepte der fünfziger Jahre aus der Schublade zu holen und den städtischen Autoverkehr zu fördern. Es ist eben nicht damit getan, U-Bahnhöfe und Straßen in Ostberlin handstreichartig umzubenennen und sich ein paar Großprojekte aus Bundesmitteln finanzieren zu lassen, um so den ökologischen Kollaps durch immer mehr abgaserzeugenden, lärmenden und Platz verbrauchenden Autoverkehr zu verhindern.
Blindes Vertrauen, daß neue Technologien im Fernverkehr von Morgen die Vor-Ort-Probleme von heute lösen könnten, mag vielleicht in der Senatorenrunde beruhigend wirken, den nüchternen Bürger können sie so bestimmt nicht überzeugen. Ingo Franßen, Vorsitzender des
VCD Lv. Berlin
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