: Wer Ouzo trinkt, muß Tourist sein
Athen (dpa) – Wer denkt bei den Worten Griechenland, Akropolis und Ägäis nicht auch an Ouzo, diesen leicht süßlichen Anisschnaps, der mit Wasser aufgefüllt wird und laue Sommerabende einleitet? Als Nationalgetränk der Griechen wird er fälschlich tituliert, denn er ist eher das Getränk der Touristen. Das Nationalgetränk der Griechen ist nämlich ein ganz anderes: der Whisky.
Ob Whisky aus Schottland und Kanada oder Whiskey aus Irland oder den USA, das ist den Griechen relativ gleichgültig. Der Getreidebranntwein aus Gerstenmalz, Mais oder Roggen mit dem rauchigen Etwas hat den Ouzo ebenso wie Metaxa, den griechischen Branntwein mit den vielen Sternen, längst des Landes verwiesen. 18 Millionen Liter Whisky haben die zehn Millionen Griechen allein im vergangenen Jahr getrunken. Dies besagt eine jetzt veröffentlichte Marktstudie, für die sich vor allem die Whisky-Importeure interessieren.
Fünf Marken sind es, die sich den Löwenanteil der 1992 insgesamt zwei Millionen importierten Whisky-Kisten sichern konnten. Drei Milliarden Drachmen (rund 37 Millionen Mark) haben allein diese fünf Firmen investiert, um den Griechen in zum Teil prämierten Werbefilmen und -kampagnen den Whisky schmackhaft zu machen. Schöne Frauen, hartgesottene Mannsbilder und klirrende Eiswürfel haben dann auch tatsächlich den Griechen vom Ouzo abgebracht. Der Whisky nimmt mit 25 Prozent den mit Abstand größten Marktanteil unter den Spirituosen ein. Und die Griechen liegen mit ihrem Whiskykonsum an einer der ersten Stellen der Weltranglisten.
Es ist schick, Whisky zu bestellen. Man gilt als provinziell, hat man nicht mindestens drei Sorten in der Hausbar. In den Diskotheken und Bars ist das Modegetränk seit der vergangenen Sommersaison Whisky mit Cola. Im Karneval floß mehr Whisky, als zum Jahreswechsel in die Präsentkörbe der Unternehmen und auf den Gabentisch der Familienväter gelegt wurde. Und während die Griechen sich sonst recht streng an die Fastenregeln halten, so sündigen sie doch gern für Whisky und Whiskey. Hildegard Hülsenbeck
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