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Wenn man der Nase nach in die Falle tappt

Die offenen Augen sind das eine beim Kräutersammeln im Wald, fast genauso wichtig ist aber die Nase. So haben wir gelernt, dass zwischen den Fingern zerriebene Nadeln der Douglasie nach Orange riechen, die der Fichte hingegen nach Zitrone und Terpentin. Wovon man sich aber nicht täuschen lassen sollte: Aus beiden lässt sich sehr schmackhafter Senf zubereiten.

In kulinarischen Fragen ist so eine Wanderung überhaupt sehr zu empfehlen. Wo sonst bekäme man grüne Holunderkapern in Essig, Birkenzuckerbonbons oder Schnaps aus zerstampften Zwetschgenkernen („falscher Amaretto“ in genau dem richtigen Verhältnis von Blausäure und Alkohol) dargeboten?

Melle

46.500 Ein­wohner*innen.Ein be­schauliches Städtchen am südlichen Rande Niedersachsens. Zwischen Wiehengebirge und Teuto­burger Wald findet sich jede Menge Natur: teils essbar, teils nicht.

Aber zurück zur Nase. Kann das wirklich diese unscheinbare Blüte sein, die hier so sonderbar würzig riecht? Was ist das überhaupt? Riecht schweflig, wie altes Ei. „Verdorbener Grünkohl“, meint eine, und alle lachen. Angekündigt waren schließlich Melonennoten. „In der Ecke, da müsst ihr ein bisschen vorsichtig sein“, ruft eine andere Teilnehmerin des Bestimmungsspaziergangs plötzlich mit seichtem Schrecken in der Stimme zu uns hinüber – „da hat der Hund vorhin hingeschissen!“ Jan-Paul Koopmann