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Wenn immer wieder Neues in der Praxis probiert wird

Physiotherapie ist inzwischen wie Speed-Dating mit medizinischem Hintergrund. Kaum hat man sich an ei­ne*n The­ra­peu­t*in gewöhnt, die Dehnübung akzeptiert und verstanden, wie oft man „locker lassen“ falsch machen kann – ist er oder sie schon wieder weg. „Die Praxis gewechselt“, heißt es lapidar, dem folgt ein „bitte tief einatmen“.

In meiner Praxis in Kleiningersheim bin ich Stammgast und komme mir vor wie in einer Casting-Show. Gefühlt jeden Monat ein neues Gesicht, eine neue Begrüßung, eine neue Methode. Der eine setzt auf Wärme, die Nächste auf Eis, der Dritte drückt so fest auf den Rücken, dass man sein Testament überdenken möchte, und die Nächste erinnert daran, dass man den Großteil des Lebens hinter sich hat.

Besonders schön ist der Moment, wenn die Akte vorgelesen wird und die Frage „Wo genau haben Sie Schmerzen?“ auftaucht – obwohl man die Geschichte mittlerweile öfter erzählt hat als den eigenen Lebenslauf.

Klein­ingersheim

1.100 Ein­wohner*innen.

Die Praxis für Physiotherapie in dem am Neckar gelegenen Dorf im Landkreis Ludwigsburg ist auch ein Treffpunkt zum Austausch, weil es im Ort sonst nichts gibt: keine Wirtschaft, kein Café, keine*n Pfarrer*in.

Trotzdem entwickelt man mit der Zeit eine echte Anpassungsfähigkeit. Andere sammeln Paybackpunkte, ich sammele Physiotherapeut*innen. Vielleicht gibt es irgendwann eine Bonuskarte: Zehn Behandlungen, die elfte gratis. Jörg Palitzsch

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