: Wenn es schon noch ein neues T-Shirt braucht
Die Nachbarin hat ihr Ticket verkauft. Sie ist nach einem Unfall noch nicht wieder mobil. Ich muss hin, auch wenn ich Nick Cave zum x-ten Mal sehe, diesmal wieder auf der Waldbühne. Um 19.30 Uhr soll es losgehen. Er fängt früher an, da hat die Hälfte des Publikums den Platz noch nicht eingenommen. Ich aber sitze, ganz Ohr.
Er heizt ein, dann Balladen. Er gibt in der ersten Reihe ein Autogramm. Gegen Ende spielt er auf dem Flügel, singt und weint. Zum Schluss: „Into My Arms“.
Berlin-Westend
41.350 Einwohner*innen.
Die Waldbühne am Olympiastadion hat die Popgeschichte insofern beeinflusst, als die Krawalle dort bei einem Konzert der Rolling Stones 1965 dafür sorgten, dass drüben in der DDR aus Angst vor so einer Aufmüpfigkeit dem sozialistischen Beat erst mal der Stecker gezogen wurde.
Meine schlüpfen in ein neues T-Shirt. Auch wenn ich in einem Meditationsworkshop gelernt habe, dass es nach einem Ausstellungsbesuch oder Konzert keinen Andenkenkauf mehr braucht, weil, hat man alles voll und ganz wahr- und aufgenommen, man satt sei und nicht noch was für zu Hause mitnehmen müsse. Darauf pfeife ich. Nick in Rosa mit „Let Love In“ muss ich haben. Die Nachbarin, der ich ein Foto sende, will auch eins. Bei Iggy Pop gab es zuletzt ein helles Shirt mit fetter Schrift in Pink, das ich jetzt unter dem neuen trage. Früher boten Nick und Iggy alles nur in Schwarz. Die Frau vom Merch-Stand meint: „Irgendwann landet man immer bei Rosa.“ Silke Mohr
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