: Wenn es ruhig auch etwas mehr sein darf
Soll ich schieben?“, frage ich den Einbeinigen im Rollstuhl, der an der Anhöhe vom Hamburger Rathausmarkt zur Einkaufsmeile Mönckebergstraße scheiterte.
„Okay, aber Geld wäre mir lieber“, knurrt er.
Während ich ihn die Straße hinaufschiebe, klagt er sein Leid: Die Leute zahlen 6 Euro für einen Kaffee, aber würden ihn, den Obdachlosen, mit ein, zwei Münzen abspeisen. So unfair!
Erst wollte ich widersprechen – einen kleinen Unterschied gibt es schließlich, ob jemand sich selbst etwas kauft oder das Geld weggibt. Aber warum nicht Schnorren als Dienstleistung betrachten? Der Einbeinige und alle anderen, die auf der Straße um Geld bitten, bieten die Chance, ein bisschen zu helfen und sich gut zu fühlen.
Auf der Hügelkuppe sage ich also großzügig: „Ich schau mal, ob ich ein paar Euro habe.“ Der Mann verzieht unwillig das Gesicht. „Ein paar? Können auch 10 oder 20 sein.“
Hamburg-Altstadt
2.550 Einwohner*innen.
Die Mönckebergstraße ist eine Flaniermeile vom Hauptbahnhof zum Rathausmarkt. 2023 wurde versucht, ein „Bettelverbot“ in der Innenstadt durchzusetzen. Dagegen gab es Proteste, es kam nicht dazu. Im Hamburger Nahverkehr allerdings besteht Bettelverbot.
Wenn Schnorren eine Dienstleistung ist, dann kommt es auch auf die Art der Ausführung an. Und für meine Begriffe ging diese Performance in die Hose. Ich grätze zurück und am Ende kriegt er gar nichts – bis auf die Tour die Anhöhe hinauf. Immerhin habe ich ihn so ins perfekteSchnorrerrevier gebracht.Esther Geißlinger
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