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Wenn es plötzlich mal nach Regeln gehen soll

Es ist die genau die Situation, wie sie modellhaft bei der Fahrschule für die ­Theoriestunde ausgedacht wurde: Aus den vier verschiedenen Richtungen fahren vier Autos gleichzeitig auf eine Kreuzung zu. Es gibt dort keine Ampel, keine Verkehrsschilder. Es gilt schlicht rechts vor links.

Dass man sich nun an dieser Kreuzung an die Regel erinnert, obwohl man in Kreuzberg ansonsten verkehrstechnisch doch am liebsten in einem als rechtsfrei empfundenen Raum unterwegs ist, mag daran liegen, dass eines der Autos ein Polizeiauto ist. Da prescht keiner einfach voran, die vier Autos neutralisieren sich in ihrem Fortkommen. Der Verkehr stockt.

Jetzt wird es natürlich spannend. Es geht schließlich um Kommunikation, soziale Kompetenz ist gefragt oder auch forsche Rücksichtslosigkeit, wer traut sich? Hinter einem der immer noch lauernden Autos wird jedenfalls von einem neu herangefahrenen schon mal energisch gehupt.

Wer schaltet, wer zieht zuerst?

Berlin-Friedrichshain-Kreuzberg

267.200 Ein­wohner*innen.

Auch wenn der Blick in die Straßen anderes sagen will, das private Auto verliert hier an Zuspruch: Nur 168 von 1.000 haben in dem Bezirk eins. Das ist berlinweit die niedrigste Pkw-Dichte, im hauptstädtischen Durchschnitt besitzen 275 von 1.000 ein Auto.

Einer muss es ja nun machen. Endlich fährt dann ausgerechnet der Linksabbieger als erstes an. Keine große Überraschung: Es ist das ­Polizeiauto. Thomas Mauch

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