: Wenn es links an den Rechten vorbeigeht
Kein Durchkommen, nirgends. Überall Polizisten in martialischer Kampfmontur. Dabei wollte man die Stunde Aufenthalt doch dafür nutzen, fix in die Altstadt von Münster hineinzulaufen, weil es da diesen einen bestimmten Laden gibt. „Die Nazis sind schon vor ein paar Wochen durch die Stadt gelaufen“, erzählt ein Mann im schwarzen T-Shirt, „ein Unding!“ Eine Frau im bunten Kleid fasst mich am Arm: „Reih dich ein!“, und stimmt lautstark ihren Schlachtruf an: „Rainbow Warriors united!“ Vielleicht 100 Demonstrant:innen stehen hinter Absperrgittern, haben Regenbogenfahnen und Transparente dabei, es gibt Protestsongs und „Haut ab!“-Sprechchöre. Schöne Gegenwehr!
Die Straßen sind gesperrt, viele Leute unterwegs. Von den – laut WDR – rund 90 Rechtsextremen aber ist nichts zu sehen. Auf ihrer Route treffen sie auf sieben Gegendemonstrationen mit insgesamt 750 Menschen.
Münster
308.258 Einwohner*innen.
Hintergrund der Demonstrationen ist ein Rechtsstreit um das Grab eines Neonazis, das Verfahren ist vor dem Oberverwaltungsgericht in Münster anhängig.
Absperrgitter im Bahnhofsgebäude. Für die Rechtsradikalen gibt es einen eigenen Gang, den dürfen Reisende nicht benutzen. „Sie müssen da rechts herum“, sagt ein Polizist. „Das passt zur Demo!“, grummele ich zurück. „Von uns aus links gesehen!“, ruft ein anderer Polizist – und lächelt. Ich lächle zurück. Andreas Hergeth
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