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Wenn es im Untergrund gemütlich zugeht

Ein ungeduldiger Blick in den dunklen Schacht am Ende des Bahnsteigs, dabei ist klar: Es dauert noch zwei Minuten, bis die U-Bahn an der Haltestelle Ma­rien­platz ankommt. Als sie schließlich einfährt, öffnen sich die Türen, alles wie gehabt.

Einmal eingestiegen, kann man in Stuttgart allerdings fast vergessen, dass man in einer U-Bahn ist.

Runde, geschwungene Formen und Farbkombinationen, die an die 70er Jahre erinnern: kastenförmige, helllila Sitze vor eierschalenfarbenen Wänden, und auch die großen runden Griffe sind in diesem Fliederton. Ich halte mich an ihnen fest und schaue mich um nach einem geeigneten Platz. Links und rechts vom Gang lauter Vierer, jeder Sitz darin so breit wie ein Sessel. Fettes Polster, in das ich einsinke, kein Krümel stört, kaum ein Fleck irritiert. In der Mitte jeder Sitzgruppe ein hohes Fenster und darunter ein kleiner Wandtisch. Ist das ein Wohnzimmer oder was?

Stuttgart-Süd

44.000 Ein­wohner*innen.

Verkehrstechnisch besticht der Innenstadtbezirk auch durch die Weinsteige, einen heftigen Anstieg raus aus dem Talkessel. Hoch kommt man gleichfalls mit der Zahnradbahn vom Marienplatz aus.

An der nächsten Haltestelle steigt eine Familie ein. Die zwei Kinder stürmen vor in einen der Vierer. Kaum auf dem Platz, ruft der vielleicht neunjährige Junge: „Mama das ist voll gemütlich hier!“ Marisa Haug