: Wenn die Woche mit einer Aussprache beginnt
Einen sommerlichen Montagabend verbringen alle auf ihre Art. Im Außenbereich eines Cafés in Ottensen verfolgen manche gebannt ein WM-Spiel vor dem Fernseher, andere arbeiten noch an ihrem Laptop oder treffen alte Bekannte.
Aus dem Stimmengewirr tritt die selbstbewusste Stimme einer Frau am Nebentisch hervor, sie ist nicht zu überhören. Ein Ex-Paar ist verabredet, sich Jahre nach der Trennung auszusprechen. Der Mann hatte es initiiert, wolle sich für seine Fehler entschuldigen. Als das Gespräch ernster zu werden droht, kündigt sie an, eventuell im Verlauf weinen zu müssen. Er erzählt seine Sicht der Dinge, sie hört aufmerksam zu – dann umgekehrt. Ihre Stimme bricht und sie verabschiedet sich auf die Toilette. Verkrampft sitzt er da, überspielt seine Nervosität mit Zigaretten drehen und Zigaretten rauchen alle paar Minuten.
Hamburg-Ottensen
36.000 Einwohner*innen.
Das frühere Arbeiterviertel ist mittlerweile eine der beliebtesten Wohngegenden Hamburgs und besticht mit schönen Altbaufassaden und gemütlichen Cafés mit Außenbereichen, in denen Menschen ihre Herzen bis in die späten Abendstunden ausschütten.
Sie kommt wieder und fragt ihn, ob sie lustige Anekdoten über sein damaliges, unmögliches Verhalten erzählen dürfe. Verunsichert willigt er ein und lacht dann doch über sein früheres Ich. Vorsichtig hangeln sie sich durch das heikle Gespräch. Irgendwann landen sie auf sicherem Terrain und bestellen noch ein Getränk. Der Abend kann noch eine Weile weitergehen. Martje Menzel
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen