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Wenn die Nacht einfach nicht stille werden will

Die kleine Ferienwohnung direkt am Markt in Halle ist schnuckelig. Großes Bett vor bodentiefen Fenstern mit Blick auf den Roten Turm, den riesigen gepflasterten Platz und die Straßenbahnen. Nur etwas stickig. Aber sobald ein Fenster gekippt ist, geht die Kakophonie los. Glockenspiel, Tram, Bremsenquietschen – und Menschen, Menschen, Menschen. Die Stadt an der Saale ist gut besucht. Aber bestimmt wird es ruhiger, sobald die Geschäfte schließen.

Um Mitternacht tobt immer noch der Bär. Junge Männer brüllen, ebensolche Frauen lachen schrill und laut. Manchmal auch andersherum. Fenster auf, Fenster zu. Um drei lasse ich es zu, um kurz einzunicken. Um halb sieben brauche ich Luft. Draußen Ruhe. Ganz kurz.

Dann wirft der Kollege von der Stadtreinigung den Laubbläser an. Wummwumm, macht die Maschine, Blätter gibt es nirgends, aber eine leere Flasche kullert über das Pflaster. Wummwumm. Wummwumm. Klirr, kuller, klirr.

Halle (Saale)

242.170 Ein­wohner*innen.

Die Stadt in Sachsen-Anhalt bietet viel Interessantes, im Landes­museum für Vorgeschichte auch ein Weltkulturerbe: die Himmelsscheibe von Nebra. Sie stammt aus einer Zeit, als es nachts sicher ruhiger war.

Nach zehn Minuten verliert der Mann doch die Lust, schaut kurz in meine Richtung und grinst, obwohl er mich bestimmt nicht sehen kann, steigt in sein Auto und ist weg. „Auf ein besseres 2025“, flüstere ich und weiß nicht genau, wen ich damit meine. Beate Willms

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