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Wenn die Haarfarbe für Verwirrung sorgt

Die ältere Stammkundin betritt die Reinigung und Änderungsschneiderei meiner Eltern in Rinteln. Bei ihr, um die 70 wird die Frau wohl sein, ist Smalltalk Programm. Am Tresen stehe ich gerade neben meiner Mutter. Die Dame schaut mich an, dann guckt sie zu meiner Mutter, sie hebt an.

„Ja, Frau Türkmen. Ich habe ja von den Deportationsplänen der AfD gehört. Sind Sie davon auch betroffen? Oder darf Ihr Mann hierbleiben, weil er ja mit Ihnen, also einer Deutschen, verheiratet ist?“ Und gleich weiter: „Und Ihre Tochter …“, sie zeigt auf mich, ich nicke ihr freundlich zu, sie führt fort, „… Bleibt sie hier oder muss sie dann mit dem Vater in die Türkei zurück?“

Meine Mutter runzelt ihre Stirn und antwortet: „Ihnen ist schon bewusst, dass ich auch Türkin bin, oder? Und meine Tochter ist übrigens in Deutschland geboren. Natürlich bleibt sie hier.“

Rinteln

Schauwert der Stadt im Weserbergland ist der Marktplatz. Dort trifft man sich am Samstag, 27. Januar, um 12 Uhr zur Demo für Demokratie und Menschlichkeit und gegen Rechtsextremismus.

Die ältere Dame zeigt sich vollkommen fassungslos: „Aber Frau Türkmen, Sie sind doch blond und haben grüne Augen. Sie können unmöglich türkisch sein. Wie kann das denn sein?“ Derya Türkmen

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen