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Wenn der Weg zum Wahllokal zu weit ist

Die Radionachrichten am Mittag verkünden eine höhere Wahlbeteiligung als beim letzten Mal. Mein Mann und ich machen uns auf den Weg ins Wahllokal, keine 500 Meter weit in einer Schule gelegen. Die sonst so leeren Straßen in diesem ruhigen Teil von Friedrichshain sind regelrecht bevölkert. Am Wahlsonntag ist viel Wahlvolk unterwegs. Irgendwie schön, diese Demokratie auf zwei Beinen.

Vor uns läuft eine fünfköpfige Familie. Zwei Jugendliche tragen Wahlbenachrichtigungen in den Gesäßtaschen. „Ach so“, sagt mein Mann, „ab 16 Jahren darf man in Berlin ja nun wählen.“ Fetzen der Unterhaltung sind zu vernehmen, der eine will die Linke wählen, der andere die Tierschutzpartei. Die Eltern halten sich zurück mit einem Bekenntnis. Und das Mädchen ist noch zu jung, um wählen zu dürfen. Dann meckert einer der Jungmänner, dass der Weg ins Wahllokal verdammt weit wäre. „Nächstes Jahr mach ich Briefwahl!“ Da müssen die Eltern lachen …

Berlin-­Friedrichshain

142.100 Ein­woh­ner*innen.

Der nördliche Kiez mit dem Volkspark Friedrichshain um die Ecke ist beschaulicher als der quirlige Südkiez mit der Partymeile rund um die Simon-Dach-Straße. Hier wie da lagen die Linken bei der Wahl vorn.

Gleich danach stehen wir alle Schlange im Wahllokal, aber hier macht Schlangestehen mal gar nichts aus. Die Wahlbeteiligung liegt am Ende bei 76,2 Prozent. Andreas Hergeth