: Wenn das Schenken nicht recht klappen will
Am berüchtigten „Kotti“ in Kreuzberg tummeln sich traditionell so allerlei Gestalten. An diesem sonnigen Sommerabend sitzen mitten im Gewimmel zwei Obdachlose auf den Stufen in unmittelbarer Nähe zur Polizeiwache. Sie unterhalten sich über das Schnorren – und zwar keineswegs über ihr eigenes, vielmehr beschweren sie sich über einen Typen, der sie mehrfach angebettelt hat. Unverschämt, finden sie.
Plötzlich hält vor ihnen ein schwarzes Auto, ein junger Mann auf dem Beifahrersitz wirft einem der Obdachlosen etwas zu. Der fängt es geschickt auf, betrachtet es verwirrt, und als er erkennt, dass es sich dabei um eine kleine Plastikkapsel, mutmaßlich gefüllt mit Kokain handelt, läuft er zum Auto und will es dem Absender zurückgeben. „Ich will das nicht“, sagt er empört. Der Mann im Auto wimmelt ihn wild gestikulierend ab, die Polizeiwache im Nacken. Als er los fährt, ruft er dem Obdachlosen zu: „Das nächste mal ein bisschen mehr Dankbarkeit!“
Berlin-Kreuzberg
141.400 Einwohner*innen.
Die Bebauung am Kottbusser ist Symbol dafür, wie man sich in den 70ern das Neubau-Berlin vorstellte. Hausbesetzer haben das verhindert. Die 2023 in dem Bauriegel am Kotti eingerichtete Polizeiwache war und ist heftig umstritten.
Der betrachtet eingehend die Kapsel, blickt seinen Kompagnon ratlos an und fragt ihn, ob er es haben möchte. Der schüttelt bestimmt den Kopf. Eine wertlose Gabe – und eine respektlose noch dazu. Marie Frank
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