: Wenn aus Fakten plötzlich „Ficken“ wird
■ Stadtmagazin „Zitty“ muß „Focus“-Chefredakteur Markwort wegen eines Cartoons 15.000 Mark zahlen. Beim „geschlechtlichen Vorgang“ hört der Spaß auf
Berlin (taz) – Was macht Helmut Markwort, Chefredakteur des Nachrichtenmagazins Focus, wenn er nicht „Fakten, Fakten, Fakten und immer an die Leser denken!“ schreit? „Ficken, Ficken, Ficken und nicht mehr an die Leser denken!“ glaubte das Berliner Stadtmagazin Zitty die Antwort gefunden zu haben und veröffentlichte im Dezember letzten Jahres einen Cartoon des Karikaturisten Olaf Schwarzbach mit selbiger Sprechblase. Unter einem Strichmännchen, dessen rechter Arm lässig über der Stuhllehne baumelt und dessen linker Arm energisch auf die Tischkante knallt, stand „Das wahre Gesicht des Helmut Markwort“.
Daß die Karikatur in der Größe eines Blattes Klopapier als „kleiner Füller“ versteckt im Programmteil erschienen und nur aufmerksamen Lesern aufgefallen war, scherte Markwort wenig. Für die Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte hatte er satte 50.000 Mark Schmerzensgeld gefordert.
Das Berliner Landgericht, das angesichts der harten Faktenlage nicht zu Scherzen aufgelegt war, sah gestern eine Verletzung der Intimsphäre als gegeben an und verdonnerte Zitty, das vierzehntägig in einer Auflage von 73.000 Exemplaren erscheint, zur Zahlung von 15.000 Mark Schmerzensgeld nebst vier Prozent Zinsen. Anwalt Hartmut Lierow, der einen „symbolischen Betrag von 2.500 Mark“ für angemessen“ erachtet hätte, beklagte sowohl die „Lustlosigkeit“ des Gerichts als auch Markworts „fehlende Gelassenheit“. 15.000 Mark für eine „dahingerotzte“ Karikatur seien „überzogen“. Aber das Gericht war aus Angst vor einer Berufung eingeknickt und hatte Markwort Genugtuung verschafft.
Lierow hatte den Cartoon als „Sprachspiel“ verteidigt und Markwort vorgeworfen, daß er mit der Klage seinen „Altruismus“ finanzieren wolle. Denn von einer „Verletzung der Intimsphäre“ könne keineswegs die Rede sein. Etwas ganz anderes wäre es, hätte Zitty behauptet, „er kann überhaupt nicht ficken“. Markworts Anwalt dagegen, der bezeichnenderweise bis auf den Buchstaben „f“ in der Mitte den gleichen Nachnamen wie der Kläger trägt, gab zu bedenken, daß sein Mandant „mit einem geschlechtlichen Vorgang“ in Verbindung gebracht worden sei. „Das Negative bleibt beim Leser hängen“, so Rainer Markfort. Zitty will jetzt Berufung einlegen. Barbara Bollwahn
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