: Wenn am Automaten mal Einvernehmen herrscht
Wenn Sie es sind, der bei ihnen die Flaschen wegbringt, wissen Sie, dass sich Montage dafür nicht empfehlen. In Berlin jedenfalls ist das so. Montags kommen die Profisammler mit den vielen Flaschen, die das Partyvolk am Wochenende hinterlassen hat. Den Stau vor den Automaten will ich mir eigentlich nicht antun.
Aber heute muss es auch mal am Montag sein, geht nicht anders. Mit klirrender Fracht betrete ich also einen Supermarkt hinter dem Ostbahnhof und sehe: niemand am Automaten. Yes! Flasche um Flasche verschwindet darin, der Automat klirrt und knistert, bis er aufstößt, weil eine Flasche nicht akzeptiert wird. Nervös werfe ich einen Blick zur Seite und entdecke eine Person. „Entschuldigen Sie! Ich habe heute mehr dabei, bin aber gleich fertig“, stammle ich und zeige auf die zweite Tasche am Boden. „Kein Problem, lassen Sie sich Zeit“, sagt die Person hinter mir begütigend.
Berlin-Friedrichshain
141.200 Einwohner*innen.
Mit dem Gebiet um die Simon-Dach-Straße und den vielen Clubs auf dem RAW-Gelände ist der Ortsteil auch ein Epizentrum des Berliner Nachtlebens und immer gut für Flaschenpfand.
Ich drehe mich um und sehe einen Mann mit Kennerlächeln und drei großen Plastiksäcken in der Hand. Ein Sammler! Der versteht mich, und ich ihn. Ich atme auf, wir verabschieden uns in höflichem Einvernehmen: „Schönen Tag noch!“ Christine Prußky
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