piwik no script img

Wenn Ruhe wirklich beruhigend wirken kann

Rendsburg,

29.000 Ein­wohner*innen.

„Hier passiert die Welt“ lautet Rendsburgs Motto – gemünzt auf den Nord-Ostsee-Kanal, an dem die Stadt liegt.

Der Mann kommt von links aus der Fußgängerzone, die Polizei – eine Frau, ein Mann – von rechts. Ein E-Roller-Fahrer ruft ihnen im Vorbeifahren zu: „Das ist er!“ Vor der Backsteinfassade der Sparkasse am Zentralen Omnibusbahnhof treffen sie zusammen, eine Szenerie wie im Western.

Der Mann beginnt sofort zu schimpfen, vor allem gegen die Polizistin: „Hure, ich fick dich, ich vergewaltige dich!“

Zusammenstöße zwischen Polizei und Menschen in psychischen Ausnahmezuständen enden erschreckend oft mit Verletzungen oder gar Tod.

Nicht aber an diesem Sonntagabend in Rendsburg: Die Be­am­t*in­nen bleiben ruhig und halten Abstand. Die Frau führt das Wort, schlägt vor, dass der Mann sich in eine Klinik begibt.

Er will nicht, zu viel Enge dort – aber sie sagt, er habe Leute bedroht und müsse sich beruhigen. Ein Polizeiwagen fährt vor. Der Mann weicht zurück, aber die Frau, die er als Hure beschimpft hatte, sagt: „Schauen Sie mich an. Alles ist gut. Steigen Sie bitte ein.“

Und als sei das eine Zauberformel, lässt sich der Mann abführen. Esther Geißlinger

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen