piwik no script img

Weniger Geld für Friedensforschung

■ Sparen auch bei Grundlagenforschung / Minister protestieren

Bonn (dpa) – Die Wissenschafts- und Kultusminister mehrerer Bundesländer dringen wegen der Bonner Sparpolitik im Hochschul- und Forschungsbereich auf Absage des mit dem Kanzler geplanten „Bildungsgipfels“.

Bei einer Sitzung der Bund- Länder-Kommission für Bildungsplanung (BLK) wurde am Montag in Bonn bekannt, daß der Bund 1994 nicht nur beim Ausbau der Hochschulen sparen will. Auch die vereinbarte Etaterhöhung bei der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Grundlagenforschung ist fraglich. Gleichzeitig will der Bund seinen Beitrag zur Friedens- und Konfliktforschung erneut reduzieren.

Die Wissenschaftsminister Anke Brunn (SPD/Nordrhein- Westfalen), Marianne Tiedick (SPD/Schleswig-Holstein) und Manfred Zöllner (SPD/Rheinland-Pfalz) warfen vor der Presse dem Bund falsche Weichenstellung vor. Angesichts der Konjunkturkrise seien jetzt Investitionen in Forschung und Bildung der richtige Ausweg, und nicht rigorose Sparpolitik im falschen Bereich, sagte Zöllner. Frau Brunn meinte, der Kanzler habe „den Gipfel längst abgeschrieben“. Frau Tiedick erklärte, Bonn wolle 1994 selbst bei den Graduiertenkollegs eine Million Mark einsparen, über deren Ausweitung gerade zwischen Bund und Ländern verhandelt werde.

Bundesbildungsminister Rainer Ortleb (FDP) warnte die Länder davor, den mühsam im Vorfeld des Bildungsgipfels erzielten Konsens über eine grundlegende Reform des deutschen Hochschulwesens jetzt aufzukündigen. Er verteidigte die vorgesehene Beschränkung der Bonner Hochschulbaumittel auf 1,68 Milliarden Mark mit der prekären Haushaltslage des Bundes, meinte aber gleichzeitig, daß er nach wie vor Investitionen in Höhe von mindestens zwei Milliarden Mark für erforderlich halte.

Auf deutliche Länderkritik stößt auch die Absicht des Bundes, seine Unterstützung für die Friedens- und Konfliktforschung erneut zu reduzieren. Diese wird bislang über einen Sonderfonds der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. Angesichts der weltweiten Krisensituation wie auch der zunehmenden Gewalt in der Gesellschaft seien Kürzungen hier fatal, hieß es übereinstimmend.

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen