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Welterbe MathildenhöhePolizei räumt Waldbesetzung in Darmstadt

Die Stadt will Wald für ein Kulturinfozentrum roden. Waldbesetzer fürchten nun um ihr eigenes alternatives Zentrum – und eine gefährdete Tierart.

Polizeikräfte räumen das Aktivist*innen-Camp an der Darmstädter Mathildenhöhe Foto: Christopher Millau/dpa
Yağmur Ekim Çay

Aus Frankfurt Am Main

Yağmur Ekim Çay

In den frühen Morgenstunden am Donnerstag haben rund 200 Polizistinnen und Polizisten den besetzten Osthang in Darmstadt geräumt. Die Einsatzkräfte leisteten dabei Vollzugshilfe für die Stadt Darmstadt, die an dieser Stelle genehmigte Rodungsarbeiten durchführen will. Das Gelände war im Dezember vergangenen Jahres von Ak­ti­vis­t*in­nen besetzt worden, die gegen die geplanten Bau- und Rodungsmaßnahmen protestieren.

Bereits seit 2014 betreibt der Verein OHA auf dem Gelände ein alternatives Kulturzentrum. Ursprünglich war das Projekt von Studierenden nur temporär angelegt, entwickelte sich jedoch im Laufe der Jahre zu einem festen Bestandteil der Darmstädter Kulturlandschaft. Auf der Fläche organisierte der Verein über mehr als zehn Jahre hinweg Lesungen, Konzerte, Festivals und Flohmärkte. Der Ort galt vielen als Freiraum für kreative, niedrigschwellige und unkommerzielle Kulturangebote.

Die Stadt Darmstadt plant nun, auf dem Osthang ein Unesco-Informationszentrum zu errichten. Für das Bauvorhaben sind Investitionen von rund 20 Millionen Euro vorgesehen. Hintergrund ist die Aufnahme der „Mathildenhöhe Darmstadt“ in die Liste des Unesco-Welterbes im Juli 2021. Dort befindet sich ein Ensemble aus Architektur, Skulpturen und Parkanlagen. Mit dem neuen Informationszentrum sollen Besucherinnen und Besuchern die Geschichte und Bedeutung des Welterbes nähergebracht werden.

Es ist es verboten, geschützte Arten zu töten oder ihre Ruhestätten zu zerstören

Bündnis Osthang Bleibt

Im Juli vergangenen Jahres hatte die Stadt die „guten Nachrichten für die Kultur- und Veranstaltungslandschaft in Darmstadt“ angekündigt, für den Verein einen alternativen Standort gefunden zu haben. Das Bündnis „Osthang bleibt“, unterstützt von der bundesweit aktiven Initiative „Wald statt Asphalt“, setzte sich jedoch weiterhin für den Erhalt des bisherigen Kulturzentrums dort ein. Die Rodungssaison hatte bereits im Oktober 2025 begonnen, seitdem wurde mit einer Räumung gerechnet. Aus Sorge vor einem baldigen Baubeginn besetzten die Ak­ti­vis­t*in­nen das Gelände daher im Dezember.

40 von 130 Bäumen sollen gefällt werden

„Wir sind zutiefst traurig, dass die Stadt den Mehrwert des Ortes als einen selbstverwalteten, unkommerziellen Raum gelebter Demokratie ohne Konsumzwang nicht anerkennt“, heißt es vom Bündnis „Osthang bleibt“. Stattdessen solle hier „ein nicht innovativer Neubau umgesetzt und über 40 der circa 130 Bäume des Stadtwäldchens dafür gefällt werden, während um die Ecke alte Jugendstil-Villen leer stehen oder von der Stadt als Büros genutzt werden, die wie geschaffen für ein Informationszentrum wären“.

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Das Bündnis weist außerdem darauf hin, dass im betroffenen Bereich Vorkommen des Bergmolchs festgestellt worden seien. Der Bergmolch ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt. „Es ist es verboten, geschützte Arten zu töten oder ihre Ruhestätten zu zerstören“, so das Bündnis. Die Stadt hingegen erklärte den geplanten Baubeginn für „rechtssicher“ und betonte, alle notwendigen Prüfungen und Genehmigungen eingeholt zu haben.

Am Donnerstag versammelten sich bereits seit den frühen Morgenstunden dutzende Menschen vor den Absperrungen, die die Ak­ti­vis­t*in­nen noch am Abend zuvor errichtet hatten, und zeigten sich solidarisch mit den Besetzerinnen und Besetzern. Die Polizei versuchte, Barrikaden abzubauen und Aktivistinnen und Aktivisten mit Kränen aus den Bäumen zu holen. Wie viele Protestierende noch auf dem Gelände waren, war laut dem Hessischen Rundfunk noch am Donnerstagnachmittag unklar.

Das Bündnis „Osthang bleibt“ hatte „den Erhalt des selbstverwalteten unkommerziellen Kunst- und Kulturorts am Osthang der Mathildenhöhe, den Stopp des Neubauvorhabens eines Informationszentrums, den Dialog der Stadt mit Künst­le­r*in­nen und Kulturinitiativen Darmstadts“ gefordert. Mit der Räumung ist der Konflikt um die zukünftige Nutzung des Geländes jedoch noch nicht endgültig beendet.

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1 Kommentar

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  • So gemacht, dass sich die einen Alternativen mit den anderen Alternativen streiten.



    MIt einem Informationszentrumseinzug eine sehr baufällige Villa o.ä. vor dem Abriss zu bewahren wäre aber wohl wirklich die bessere Option gewesen, so wie hier dargestellt.