Weitere Defekte in Krümmel: Vermutlich Schäden an Brennstäben
Vattenfall räumt weitere Probleme mit dem Akw Krümmel ein. Sehr wahrscheinlich gebe es auch Schäden an den Brennstäben. Kritik von Blix an Vattenfall.
BERLIN/KIEW dpa | Der Stromkonzern Vattenfall hat nach der Panne im Atomkraftwerk Krümmel einen weiteren möglichen Schaden eingeräumt und eine Prüfung aller Abläufe zugesagt. Es gebe mit großer Wahrscheinlichkeit einen Brennstab-Schaden, sagte der Geschäftsführer der Vattenfall Europe Nuclear Energy, Ernst Michael Züfle, am Donnerstag in Berlin.
Vielleicht seien einige wenige von rund 80.000 Brennstäben im Reaktor defekt. Dies hat nach ersten Erkenntnissen nichts direkt mit dem Trafo-Kurzschluss vom Wochenende zu tun.
An diesem Freitag soll der Druckbehälter des Reaktors für Untersuchungen geöffnet werden. Für die Bevölkerung habe nach dem Kurzschluss zu keinem Zeitpunkt irgendein Risiko bestanden.
"Jetzt stehen alle Prozesse, technisch und organisatorisch, auf dem Prüfstand", sagte der Chef der deutschen Vattenfall-Tochter, Tuomo Hatakka. Dazu sei ein Sonderermittler eingesetzt worden. Vattenfall enschuldigte sich indirekt. Es sei zu Sorgen in der Bevölkerung gekommen.
"Das bedauern wir natürlich sehr", sagte Hatakka. Der Vorfall sei nur eine "Normalmeldung" gewesen. "Gleichzeitig bleibt festzuhalten, dass Fehler gemacht wurden." Der Fall sei ein herber Rückschlag im Bemühen um mehr Vertrauen.
Vattenfall versprach klare Konsequenzen. Hatakka sagte, er stehe mit seinem eigenen Namen dafür. Er wies Kritik an der Informationspolitik zurück. "Zu keinem Zeitpunkt haben wir Informationen zurückgehalten."
Derweil kritisierte der frühere Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Hans Blix, die Informationspolitik Vattenfalls. Am Donnerstag sagte er in Kiew nach einem einem Besuch beim Unglücksreaktor Tschernobyl: "Natürlich ist es nicht akzeptabel, dass die Behörden nicht sofort unterrichtet wurden."
Blix gehört seit einer Pannenserie in schwedischen Vattenfall-Reaktoren 2006 zu einem externen Beratergremium des Unternehmens. Er sagte, dass er keinen Zweifel "am Engagement der Unternehmensführung für eine optimale Sicherheitskultur habe". Der auch als UN-Mittler im Irak weltweit bekanntgewordene Schwede meinte weiter, er erwarte umfassende Informationen über die Vorgänge in Krümmel sowie um das im eigenen Land in die Kritik geratene Vattenfall-Kernkraftwerk Ringhals.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert