: Was ist im Chicken Nugget?
■ Wissenschaftler wollen mit Gentechik Lebensmittel untersuchen
Bremen (taz) – Gibt es die gute Gentechnik? Diese Frage stellt sich Guido Ketschau, Molekularbiologe und Geschäftsführer der neugegründeten Firma „Hansa Analytik“ nicht mehr. „Die Gentechnik ist nicht mehr zu verdrängen, und damit muß es auch neue Überprüfungstechniken geben.“ Die Bremer Firma will den Lebensmittelmarkt überprüfen, zu dem möglicherweise schon jetzt gentechnisch veränderte Lebensmittel gehören.
Mit dem von den Hansa-AnalytikerInnen unter der Leitung von Professor Armin Hildebrandt an der Uni Bremen entwickelte Verfahren, über DNA-Sonden Lebensmittel zu analysieren, ließen sich gentechnisch produzierte Waren als solche ausweisen. Allerdings stehen zur Zeit erst vier Sonden zur Verfügung, mit deren Hilfe Schweine-, Rind-, Hühner- und Putenfleisch nachgewiesen werden kann. Ein Test der MitarbeiterInnen ergab, daß bei einem Viertel der Großküchen und -märkten gezogenen Zufallsproben nicht drin war, was draufstand. Die Kalbsleberwurst enthielt kein Gramm Kalbfleisch, die Chicken-Nuggets bestanden vorwiegend aus Putenfleisch, das zur Zeit billiger zu haben ist als Huhn. Bemerken tut das niemand, denn die Produkte werden als „Formfleisch“ angeliefert, in Blöcken oder gehäckselt, versehen mit Abfallfleisch, gekocht, gebraten, gesalzen.
Diesem Zustand ist die traditionelle Lebensmittelüberwachung nicht mehr gewachsen. Methoden, welche die Eiweißmoleküle untersuchen, müssen versagen, da die Moleküle sich mit der Verarbeitung verändern. Die Gene hingegen bleiben davon unbeeinflußt. Die WissenschaftlerInnen von Hansa-Analytik entnehmen aus dem vermeintlichen Chicken-Nugget etwas DNA und trennen die Doppelkette. Die Sonde fügt dann die Erbinformation originalen Hühnerfleisches hinzu. Verbinden sich die beiden DNA-Stränge, so ist mit Sicherheit Hühnerfleisch in der Probe enthalten. Interesse an den rund 500 Mark teuren Tests haben vor allem die Unternehmen, die ihren Zulieferfirmen mißtrauen. Welche verdächtigt oder gar überführt wurden, bleibt freilich Firmengeheimnis. „Wir wollen einfach für mehr Objektivität sorgen und denen, die wissen wollen, was sie einkaufen, ein besseres Instrument an die Hand geben“, meint Ketschau. Dora Hartmann
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