Sweetwater: Was Kunst im Rahmen hält
In Pirandellos Roman „Einer, Keiner, Hunderttausend“ treibt den Protagonisten die Erkenntnis um, wie wenig seine Selbstwahrnehmung dem Bild entspricht, das andere von ihm haben. Es passt, dass Constantin Thun das Buch als Inspiration nennt, denn im Grunde beschäftigt er sich mit ähnlichen Fragen: Was gilt als Kunst, was nicht, welcher Wert wird Objekten zugesprochen, wie hängen Funktion und Form zusammen? So auch bei der hölzernen „Cabin“, die Thun bei Sweetwater mitten in den Raum gestellt hat. Es ist ein hoher, nur oben offener Kasten, der einen an einen Schrank ohne Türen erinnern könnte. Oder aber – das würde passen – an einen ins Vertikale verzogenen Rahmen. Einen Rahmen hat Thun nämlich auch um ein zufällig gefundenes Gemälde eines Vulkans gezogen, das allein im Nebenraum hängt. Irgendwer hat darauf mit Kreide einen spöttischen Kommentar zu dessen künstlerischem Wert gekritzelt. Alles ist eine Frage der Betrachtungsweise. Auch die Ausstellung ist nur die erste von drei, die unter dem Titel „Cabin“ laufen. (bsh)
Bis 1. 2., Mi.–Sa. 12–18 Uhr, Kottbusser Damm 7
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