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Warum immer nur Moskau?

■ betr.: „Appell an Politiker: Nicht nach Moskau“, taz vom 28. 4. 95

Als Deutscher kann ich den Aufruf an die Politiker, wegen des Tschetschenien-Krieges nicht an den Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag des Sieges über den Faschismus am 9. Mai in Moskau teilzunehmen, nicht unterstützen.

Die deutschen PolitikerInnen, die deutsche Gesellschaft sollte 364 Tage im Jahr gegen den Krieg in Tschetschenien protestieren, wirtschaftlich und politisch Druck auf Moskau machen, diesen Krieg zu beenden. Doch gerade am 8. Mai sollte dies nicht geschehen.

Demonstrationen gegen die Morde der Türkei an der kurdischen Bevölkerung halte ich für wichtig – derartige Demonstrationen vor der Gerichtsverhandlung gegen die Mörder von Solingen wären jedoch ebenfalls der falsche Ort.

Warum ist, wenn es um das Kriegsende geht, eigentlich immer nur von Moskau die Rede? Warum fahren die deutschen PolitikerInnen nicht zu Gedenkfeiern nach Kiew und Minsk? Weißrußland anläßlich des 50. Jahrestages zu besuchen wäre mindestens genauso sinnvoll, ist Belarus doch die Republik der früheren Sowjetunion, die unter den Folgen des Krieges am meisten zu leiden hatte. JedeR vierte weißrussische BürgerIn verlor durch die deutsche Aggression sein/ihr Leben.

Die Fixierung der westlichen Politik auf Moskau muß aufhören. Am 8. Mai sollten wir nicht nur der russischen, sondern auch der weißrussischen, ukrainischen etc. Opfer dieses Krieges gedenken. Bernhard Clasen,

Mönchengladbach

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