Wahlen in Tschechien: Sozialdemokraten erobern Prag
Die oppositionelle CSSD hat am Samstag die absolute Mehrheit im Senat, dem Prager Oberhaus errungen. Die Regierung wurde für ihren Sparkurs bestraft.
PRAG dpa | Die tschechischen Regierungsparteien haben die zweite Schlappe innerhalb einer Woche erlitten. Bei der Senatswahl errangen die oppositionellen Sozialdemokraten (CSSD) die absolute Mehrheit im Prager Oberhaus.
Die Regierung wurde von den Wählern hingegen für ihren harten Sparkurs abgestraft. Bei den Wahlen am Freitag und Samstag konnten die Sozialdemokraten nach Abschluss der Stimmauszählung 13 der zu wählenden 27 Sitze gewinnen, wie das Statistikamt am Samstag mitteilte. Zusammen mit den Kommunisten haben sie im Senat mit 48 von insgesamt 81 Sitzen somit eine stabile Mehrheit.
Die konservative Demokratische Bürgerpartei ODS von Ministerpräsident Petr Necas gewann nur vier Sitze und hat mit nur noch 15 Mandaten im Senat die niedrigste Abgeordnetenzahl ihrer Geschichte.
„Wir müssen die Botschaft der Wähler mit Demut annehmen“, sagte Necas. Im November muss sich der 47-Jährige als Parteichef der Wiederwahl stellen. In seiner eigenen Partei kämpft er mit einem Aufstand von Abgeordneten, die gegen geplante Steuererhöhungen sind.
Geringe Wahlbeteiligung
Den Gesetzgebungsprozess dominiert in Tschechien zwar das Abgeordnetenhaus. Der Senat kann aber seine Zustimmung zu Kürzungsmaßnahmen verzögern. Zudem spielt er eine wichtige Rolle bei der Verabschiedung von Verfassungszusätzen oder der Berufung von Verfassungsrichtern.
Alle zwei Jahre bestimmen die Wähler in Tschechien ein Drittel der Sitze im Senat. Die Wahlbeteiligung erreichte diesmal nur sehr niedrige 18,6 Prozent. In einer Umfrage der Agentur STEM sagten 53 Prozent der Befragten, der Senat als zweite Kammer solle ganz abgeschafft werden. Den Staatspräsidenten werden die Tschechen in Zukunft direkt wählen. Damit wurde dem Parlament in diesem Jahr eine seiner Kernkompetenzen entzogen.
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