Wahldebakel der Hamburger CDU: Am Ende

Das Ergebnis der Bundestagswahl zeigt: Der Hamburger CDU-Chef Christoph Ploß und sein Kurs sind gescheitert. Die Partei bleibt in der Versenkung.

Christoph Ploß und Marcus Weinberg bei einem Emfpang

Keiner hatte Erfolg: Christoph Ploß und Marcus Weinberg Foto: Georg Wendt/dpa

HAMBURG taz | Auch wenn er im Bundestag bleiben darf, als Vorsitzender der Hamburger CDU ist Christoph Ploß gescheitert. Und das nicht nur, weil die CDU in Hamburg noch deutlicher als im Bundestrend bei der Bundestagswahl abgeschmiert ist, sondern weil das Urteil der Wäh­le­r:in­nen in seinem Bundestagswahlkreis Hamburg-Nord dem Rechtsblinker und seinem Kurs eine Absage erteilt hat. Damit steht letztlich der gesamte Landesverband programmatisch vor dem Abgrund – ohne Aussicht auf eine bessere Zukunft.

Es war Ploß' erste Wahl, seit er im vergangenen Jahr den Landesvorsitz an sich gerissen hatte. Seither versuchte er, die Partei umzupolen: Auf ewig weg mit dem liberalen Großstadtkurs; hin zu hartem, rechten Populismus. Kaum ein:e Po­li­ti­ke­r:in außerhalb der AfD hatte in den vergangenen Monaten bundesweit so sehr versucht, mit billigen Gender-Debatten einen Kulturkampf gegen Links zu führen.

Allein: Es fruchtete nicht. Konnte er bei der vorigen Wahl noch das Direktmandat holen, landete er nun nur noch auf Platz drei hinter den SPD- und Grünen-Kandidatinnen. Weil diese Niederlage so deutlich, der Absturz so gewaltig ist, lässt sich da wenig auf den schlechten bundesweiten Trend schieben.

Die CDU in Hamburg befindet sich nun in einem programmatischen Dilemma: Auch Marcus Weinberg, mit dem der liberale Großstadtkurs der CDU in Hamburg verbunden war, verlor im Wahlkreis Altona ebenso deutlich gegen Grüne und SPD.

Weder der eine noch der andere Kurs fruchten also in Hamburg. Grüne und SPD nahmen sich noch nicht einmal gegenseitig die Stimmen weg. Und auch wirkte es kaum, dass manche Bürgerschaftsabgeordnete eine mitunter ziemlich gute Oppositionsarbeit leisten.

Damit kann der Landesverband eigentlich einpacken. Hoffnung auf Besserung kann er letztlich nur noch haben, wenn die SPD ihre Dominanz in Hamburg eines Tages durch eigene Hybris verliert. Oder falls in den eigenen Reihen plötzlich eine charismatische Führungsperson auftaucht, die die inhaltliche Ausrichtung der Partei nebensächlich macht. Bis dahin bleibt diese Hamburger CDU in der Versenkung, in die sie die Wäh­le­r:in­nen nach der Bürgerschaftswahl im letzten Jahr und der Wahl am Sonntag geworfen haben.

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Jahrgang 1991, hat Politik und Geschichte in Göttingen, Bologna und Hamburg studiert. Seit 2020 Volontär der taz nord in Hamburg. Schreibt meist über Politik und Soziales in Hamburg und Norddeutschland.

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