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WIE SCHMECKT DIE WENDE

■ Valerij Bugrov stellt sein „Lichtfeld auf der Straße des 17. Juni“ und seine Sponsoren vor

BZ, taz und die Gönner des Projekts waren fast unter sich, als Bugrov vor einem kleinen weißen Modell mit winziger Siegessäule und Brandenburger Tor sein Projekt erläuterte: Vier Reihen mit je neun Neonlichtmasten über eine Gesamtlänge von 240 Meter sollen am 18. August am „Kleinen Stern“ aufgestellt werden. Damit hat sich Lichtkünstler Bugrov nach seiner „Neonbettenstation“ in einem Hamburger Krankenhaus (1985) und seinem Hamburger „Neonrevier in der Alster“ (1986) eindeutig gesteigert, mindestens um eine Röhre und jeweils zwei Meter, macht 72 Meter.

„Dies ist keine fixe Idee von mir, sondern ein Entwicklungsprozeß“, sagt Bugrov, der keine Bilder mehr malen, sondern auf „Umwelt- und Stadtstruktur“ reagieren will: mit „Impression und Spannung“, „spielerischer Perspektive“, „leuchtendem Irrgarten“ oder, noch schöner, aus der PR: mit einem „für die heutige Zeit in seiner phänomenalen Wirkung mutigen und in seinem geistigen Gehalt sublimen Werk eines urbanen Großprojekts“. Mutig und sublim ist es allzumal für einen Russen, die Ost-West-Achse statt der Heerstraßen-Nord-Süd-Achse wieder auszubauen und Albert Speers Lichtdom aufzuarbeiten. Trotz „historischer Belastung“ findet Bugrov es „reizvoll“, in der „historischen und städtischen Mitte“ etwas Monumentales hinzustellen, was „Elemente industrieller Ästhetik“ und die Natur miteinander ins Gespräch bringt. Auch sonst arbeitet der Künstler im Sinne des herrschaftsfreien Dialogs. Das zweiköpfig anwesende Marketingteam, wovon einer als blondgelockter Jüngling geradewegs der Plakatwand des Sponsors entsprungen scheint, verspricht zwei Wochen vorher einen Infostand im Europa-Center und nachher am Geschehnisort Kataloge und Kleingastronomie, damit der „Abend auch rund wird“.

Was mit den Showgirls in der Pressemappe sei, will noch einer wissen, und verschämt gibt man zu: „Das ähm ist ähm unsere Absprache ähm mit den Sponsoren und wird ähm sicherlich eine Ergänzung zum Besuch sein.“ „Keine Angst“, beruhigt der Zigarettenvertreter, „wir stehen mit unserem 650-Personen-Zelt nicht an der letzten Lichtplanke, sondern wahren gebührenden Abstand.“ Und Bugrov meint, die „Fantasy“ -Showgirls seien in Wirklichkeit „lieb und nett“, wie er selbst festgestellt habe. Kultursponsoring sei hierzulande ja noch ein Pionierprojekt, so spricht der seit zehn Jahren eingedeutschte Kapitalismuskenner, und eben eine Sache „des Geschmacks“. Wie auch die beteiligte Marke, die mit „Fantasie“ auch jüngere Raucher über „unangenehme Beigeschmäcker“ hinweghelfen will, indem man neben der Ideologie auch „was zum Anfassen“ bieten kann. Utopie ist nicht zum Anfassen, meint Bugrov da ganz richtig im Abspann seines Alsterkatalogs. Aber wie geht das eigentlich, ein ebensolches Projekt mit Neonröhren, natürlich städteplanerisch abgewandelt, wie geplant nach Paris und sogar Leningrad weiterzuverkaufen? „Da hilft uns die Stadt Hamburg, da mußten wir nämlich nicht auf Sponsoren zurückgreifen, ich weiß nicht, warum das hier nicht geklappt hat, vielleicht wegen der Wende?“ verrät Bugrov sein wertkonservatives Herz. Kein Wunder, daß man da in der Pressemappe das „Lichtfeld“ noch in die „europäische Kulturhauptstadt“ 1988 rückprojiziert, in glatter Verleugnung von Paris, aber Bugrov bittet Karin Greve, kulturpolitische Sprecherin der SPD, in der sozialdemokratischen Berlin-Werbung doch auch sein Projekt im Vierfarbhochglanzdruck zu berücksichtigen.

DoRoh

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