Sanssouci: Vorschlag
■ Peep-Show in der Galerie: Voyeuristische Fotos von Renata Stih
Foto: Galerie
„Wo wohnt Cathérine Deneuve?“ Wer wüßte das nicht gerne? Die Fotoserie von Renata Stih im Eingangsflur von Art 5 III zeigt eine typische Pariser Hauswand. Dann richtet sich der Blick auf eines der Fenster und gleitet schließlich in das Zimmer hinein. Sollen wir nun annehmen, hier wohnt die Deneuve? Ist sie nicht auch so eine kühle Blonde wie Grace Kelly aus Hitchcocks „Fenster zum Hof“? Und ist damit nicht auch das Thema von Renata Stihs Ausstellung „Peeps“ benannt, in der Dia-Gucker den Besucher zum Voyeur machen, der in nächtlich erleuchtete Fenster schaut? Aber ist das nicht eine allzu elegante Einführung in das Konzept dieser Fotoarbeit?
Die auf Plexiglasscheiben sitzenden Guckis erinnern an die Stereoskopie, die vergessene Mode aus der Frühzeit der Fotografie. Aber hier steckt in jedem Gucki ein anderes Dia. Nicht Tiefe, sondern abenteuerliche Fluchtlinien und Überblendungen der Hauswände, hellen Fenster und der dahinter vermuteten Bilder sind das Resultat. „Die Photographie bietet ein Raumkontinuum dar“, sagt Siegfried Kracauer. Hier gilt das nicht. Licht und Sichtbarkeit werden bei Stih (zuletzt erregte sie durch den zusammen mit Frieder Schnock entworfenen „Bus-Stop“-Vorschlag für das geplante Holocaust-Denkmal Aufsehen) nicht zur Falle, wie es Foucault für das Prinzip des Panoptikums beschreibt. Der Reiz bei Renata Stihs „Peeps“ liegt ganz auf der Oberfläche.
Gegenüber den modernen optischen Kontroll- und Beobachtungstechniken sind Stihs Fotoblicke hoffungsvoll altmodisch: Es ist der Blick, mit dem man gedankenverloren in die Zimmer der Nachbarn starrt, ohne wirklich spionieren zu wollen. Gleichzeitig erscheint mir etwa die Fenster-Zusammenstellung „Abendessen“ als interessante Hängung abstrakter Leuchtkastenbilder. Der Blick aus dem Fenster ins Fenster ist nicht der Blick in die Welt, sondern der Blick auf eine Bildergalerie. Auch die Farbfotoserien „Voralpen“, „Haus Jutta“ und „Zerstörtes Haus“ gelten nicht der Welt, sondern dem Modell. Brigitte Werneburg
„Art 5 III“, bis 28. 6. täglich Di.–Fr. 15–19, Sa 11–14 Uhr, Galerie Inge Herbert, Motzstraße 9, Schöneberg
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