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„Vor den Wahlen in Russland steigt die Spannung, wer hätte das gedacht“

Barbara Oertel

Von Josef Stalin ist der scharfsinnige Befund überliefert, es komme nicht darauf an, wo die Menschen ihr Kreuz machen, sondern wer die Stimmen auszählt. Da ist Russlands Präsident Wladimir Putin schon weiter. Im Sinne des sparsamen Einsatzes menschlicher Ressourcen werden die Stimmzettel vor den Duma-Wahlen im September entkernt – vielleicht kommen ja weniger Wähler*innen.

Barbara Oertel

leitet gemeinsam mit Dominic Johnson das Auslands­ressort der taz.

Am Montag wurde die liberale russische Oppositionspartei Jabloko per Gerichtsbeschluss von den Wahlen ausgeschlossen. Ihr Slogan „Für Frieden und Freiheit“ sowie hohe Beliebtheitswerte bei jungen Wäh­le­r*in­nen – diese Mischung war dem Kreml wohl zu gefährlich.

Doch so einfach ist es nicht, die Partei politisch auszuschließen. Ver­tre­te­r*in­nen von Jabloko, die sich um Direktmandate bewerben, sind noch im Rennen um den Einzug ins russische Parlament. Auch dagegen gibt es erprobte Mittel: spontanes Ableben, tödliche Stürze aus Fenstern von Plattenbauten, Verhaftung wegen vermeintlich extremistischer Umtriebe oder Fremdfinanzierung der Kan­di­da­t*in­nen aus dem feindlichen westlichen Ausland – der Putin’sche Einfallsreichtum ist schier grenzenlos. Es bleibt also spannend, wer hätte das gedacht.