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Von allem nur das Beste!

■ Lamm- statt Schweinefleisch und großzügige Gesten in der Fußgängerzone

Warum sollte das nicht gehen? Warum sollte unser Kind – bzw. unser zukünftiges Kind – nicht von dem jeweiligen kulturellen Erbe seiner Eltern nur das Beste mitbekommen? Christentum und Islam würden einander ergänzen, und irgendwann würde das Kind seine Entscheidung treffen, seinen eigenen Weg wählen.

So dachten wir damals, vor mehr als zehn Jahren. Wir, das waren mein senegalesischer Mann, der eher froh schien, den Verpflichtungen seiner moslemischen Großfamilie entkommen zu sein, und ich, eine deutsche Pädagogikstudentin, aus einer preußisch-protestantischen Handwerkerfamilie stammend, die die Wirren zweier Kriege in den Kohlenpott verschlagen hatte. So weit zur Ausgangslage unserer jungen Kleinfamilie.

Seit mehr als zehn Jahren genießt nun unsere Synthese zweier Weltreligionen ihr Erdendasein. Zeit also für eine Zwischenbilanz!

O ja, es hat mächtig gescheppert zwischen den wohlmeinenden Eltern, und die Probleme holten uns sehr schnell ein! Kaum war ich mit dem winzigen Säugling aus dem Krankenhaus entlassen, beharrte der frischgebackene Vater auf einem Fest mit senegalesischen Freunden und Lammfleischbraten, anstatt sich in der Technik des Säuglingsbadens zu üben. Unendlich wichtig war ihm auch, das spärliche Kopfhaar des Kleinen zu rasieren, während der Spaziergang in der lauen Frühlingsluft ihm nur lästig erschien. Überhaupt, so stellte ich für mich fest, wollte er sich nicht so recht in seine Vaterrolle einfügen. Der Kleine wuchs heran, und die väterliche Kulturvermittlung beschränkte sich aus meiner Sicht auf die Zubereitung schmackhafter schweinefleischfreier Mahlzeiten und die rege Verteilung kleinerer Geldbeträge an Bedürftige in der örtlichen Fußgängerzone. Mir dagegen hielt er vor, unseren Sohn zu verhätscheln und zu verzärteln, so daß er es schwer haben würde, ein „richtiger Mann“ zu werden. Nur allzu offensichtlich war, daß wir sehr unterschiedliche Vorstellungen von einem „richtigen Mann“ hatten. Am wenigsten wollte mir in den Kopf, daß ein „richtiger Mann“ nicht mit jenem Stückchen Haut behaftet sein durfte, mit dem die Natur den „kostbaren Teil“ der Männlichkeit doch eher schützen wollte. Am meisten erstaunte mich allerdings, daß in der Frage der Beschneidung so ziemlich alle Männer, die dem islamischen Kulturkreis entstammten, eine stille Übereinkunft hatten, die auf die Formel zu bringen war: „Ohne Beschneidung kein Mann.“ Ich gab schließlich mein Einverständnis zu dem Eingriff, ohne Überzeugung.

Nun, es folgten noch zahlreiche kleine und große Diskussionen über das vermeintliche Beste.

Und das Kind? Wie ist es dem Kind ergangen? Das Kind wartet ab, hört zu, stellt manchmal Fragen, will keine langatmigen Antworten. Nein, es will nicht am Religionsunterricht teilnehmen, auch nicht in die Moschee gehen.

„Und was glaubst du eigentlich wirklich?“ hat es mich einmal gefragt. Über diese Frage habe ich lange nachgedacht!

Ach ja, Schweinefleisch ißt es übrigens nicht, und in der Fußgängerzone verteilt es sein Taschengeld. Heidi Malke-Diop

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