: Von Terminen gejagt
■ Richtfest für neue Messehallen am Funkturm / Größtes öffentliches Bauvorhaben Berlins kostet zwei Milliarden Mark und lastet auf dem Haushalt / Bündnisgrüne Schreyer spricht von Milliardengrab
Stolz wie Oskar präsentierten sich gestern Bausenator Wolfgang Nagel, Wirtschaftssenator Norbert Meisner und Messe-Chef Wolfgang Busche vor dem Richtkranz zum Südflügel der neuen Messehallen am Funkturm. Man sehe, sagte Nagel, daß „Berlins größte öffentliche Baumaßnahme“ nicht nur in guter Qualität aus dem Boden wachse. Zugleich zeige das „ehrgeizige Projekt“, daß die Hallen in kurzer Zeit realisiert werden können. Bis 1997 werde Berlin seine Ausstellungsfläche von 103.000 Quadratmeter auf 140.000 steigern. Die „Endausbaustufe“ mit 160.000 Quadratmetern soll nach den Worten Meisners 1999 fertiggestellt sein. Berlin sei dann gerüstet, sich um die Internationale Automobilausstellung (IAA) zu bewerben.
Die hektischen Bauarbeiten („von Terminen gejagt“, so der Richtspruch des Zimmermanns) stehen zu Unrecht im Schatten der Hauptstadtdebatte. Nach den Plänen des Kölner Architekten Oswald Mathias Ungers entstehen für zwei Milliarden Mark drei doppelgeschossige parallele Riesenhallen südlich des „Sommergartens“ sowie ein langer Hallenriegel gegenüber der Deutschlandhalle. Hinzu kommen Büros und ein Ausstellungspavillon. Um die Messeerweiterung zu realisieren, werden die bestehenden Ausstellungshallen abgerissen, Bahngleise für 36 Millionen Mark verlegt und Unterführungen gegraben. Allein über 30 Millionen Mark wird die Verlegung der Jafféstraße verschlingen, weil die „große Messehalle“ über die bestehende Straßenflucht hinausreicht. Schließlich wird die Eissporthalle abgerissen, da sie dem Eingangspavillon im Wege steht.
Das immense und teure Bauprogramm sowie die Abrisse und Straßenverlegung stehen bis dato in der Kritik. Die Kosten der tiefliegenden Gleistrasse könnten durch einen ebenerdigen Verlauf der Schienen gespart werden, sagte Michaele Schreyer, Finanzexpertin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Abgeordnetenhaus. Nicht notwendig findet Schreyer auch die Tunnelplanung für sieben Millionen Mark. Sie plädiert für eine Revision der Messeplanung sowie der Finanzierung.
Um den Landeshaushalt kurzfristig vom Zwei-Milliarden-Mark- Druck zu entlasten, setzt der Senat bei den kommenden Baustufen auf neue Finanzierungsmodelle. So soll eine Vorfinanzierung („Fortfaitierung“) durch private Investoren und ein Leasing-Konzept angestrebt werden – beides Modelle, die den Senat langfristig bis zu 500 Millionen Mark mehr kosten können. Rolf Lautenschläger
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