: Von Hühnern lernen, heißt siegen lernen!
Fast hätten die Hühner nicht mehr gelacht: Neun Jahre dauerte die Diskussion zwischen Bezirk Altona, Behörden und verschiedenen Investoren um den Erhalt des Motte-Hühnerhofs an der Rothestraße in Ottensen. Laut Bebauungsplan sollten auf dem 400 Quadratmeter großen städtischen Grundstück Sozialbau- und Obdachlosenwohnungen entstehen. Gegen ein solches Projekt hatten 20 Hühner in einem Lehmhaus mit Grasdach und eine Bienenzucht, die eine zehnköpfige Gruppe von AnwohnerInnen und Mitgliedern des benachbarten Motte-Stadtteilzentrums ehrenamtlich betreibt, mehr als schlechte Karten.
Daß sie jetzt doch bleiben dürfen, „liegt daran, daß die Politiker endlich eingesehen haben, daß Ottensen nicht noch dichter bebaut werden darf und dem Antrag der GAL Altona auf Erhalt des Hofs zugestimmt haben“, tönt GALier Martin Below stolz mit Eigenlob. Zumindest für die nächsten fünf Jahre ist das Projekt gesichert. „Es erscheint vertretbar, für einen Zeitraum von zunächst fünf Jahren auf konkrete Bauplanungen zu verzichten. Nach dieser Konsolidierungsphase ist der Bedarf und die Notwendigkeit der Neubebauung erneut zu prüfen“, heißt es in der Stellungnahme der Finanzbehörde, die im vergangenen Februar entschied, das Gelände weiterhin dem Federvieh zu überlassen.
Für die „Motte-Kleintiergruppe“ um Martin Below war das Anlaß genug, in der vergangenen Woche ausgiebig zu feiern und Altonas Bezirksamtsleiter Strenge zum ersten Ehrenvorsitzenden des Hühnerhofs zu machen.
Zukunftspläne wurden auch geschmiedet: Es soll weiterhin Führungen für Schulkinder geben, „die auf dem Hühnerhof oft zum ersten Mal in ihrem Leben Küken sehen.“ Daneben könnte die Bienenzucht mit derzeit zehn Stöcken erweitert werden. Der Vertrieb der Stadtteilsektsorte „Mottenburger Hühnertritt“, die im vergangenen Jahr eingeführt wurde, soll professioneller gestaltet werden. Und schließlich gibt es Pläne für die Begrünung des Geländes zwischen Hühnerhof und der Kita in der Eulenstraße. Sie liegen montags bis freitags zwischen zehn und 13 Uhr im Stadtteilzentrum Motte aus. hh
Gemeinsam für freie Presse
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen