■ Urdrüs wahre Kolumne: Von Damen als Bäumchen
URDRÜS WAHRE KOLUMNE
Von Damen als Bäumchen
Im März kommt Billy Graham nach Essen. Und damit die BremerInnen von „ProChrist 93“ zur Buße gerufen werden können, ohne auf der Autobahn den Märtyrertod zu sterben, wird die Show live nach Bremen übertragen. Ob die Videogroßleinwand aber in der Oberen Rathaushalle, im Kairo, bei der Hohentorsgemeinde oder auf der Bürgerweide neben der Osterwiese aufgebaut wird, ist noch unbekannt — sicher aber scheint, daß der Missionar nicht beabsichtigt, einen Beitrag zur Sicherung der Selbständigkeit Bremens zu leisten.
Weil Märchenonkel Hotte vom ffn-Frühstyxradio in einem Prädikat-wertvoll-Chanson das Treiben von „Zehn kleine Glatzenköpp“ beschreibt und dabei am Ende niemand übrigbleibt, hat ein bislang unbekannter Bremer Anzeige wegen Volksverhetzung gestellt. Bislang unbekannter Bremer: Meinst du nicht, daß die Skins schon selbst entscheiden müssen, ob sie sich die eisernen Kreuze auf den Schädel kloppen? Artenschutz genießense ja wohl nicht...
Ein Herr im Postamt 1 vorm letzten Münzfernsprecher: „Gehrungszwinge, Kartuschenpresse, Engländer, Maulschlüssel, Schlingschleifpapier. Gehrungszwinge, Karuschenpresse...“ Konkrete Poesie? Manischer Aufzählzwang? Kudella? Ballaballa? — Nachfragen ergaben: Ein Herr, der sich etwas merken wollte. Bestimmt hat er am Ende doch den Maulschlüssel vergessen...
Mal was Positives über Hunde. Ein mittelgroßer Mischling hockt neben seinem bettelnden Herrchen aus der Zunft der im Leben erheblich zu kurz Gekommenen in der Sögestraße und erhält von einer Dame aus der Laura Ashley- Werbung ein gutes Viertel Schabefleisch vor's Maul gelegt. Als sich die Kreatur anschickt, den Happen zu verfrühstücken, wendet die Frau sich meinungsmachend an ihre zufällige Umgebung: „Das Betteln is ja ekelhaft, aber der Hund tut mir schon leid.“ Da beweist der Köter Größe, frißt nix und schmiegt sich solidarisch an seinen drunken Master. Brav, Hektor, — und beim nächstenmal denk, die Dame wär ein Bäumchen!
Vor dreißig Jahren wollte ich immer France Gall heiraten, die damals mit „Poupe de cire“ einen Riesenhit in der deutschen Schlagerparade hatte. Gestern erklärte sie ihre Kandidatur für die französischen Grünen zur Parlamentswahl, und da freue ich mich denn doch, daß nicht alle Jugendträume wahr wurden. Denken Sie an diese Geschichte, wenn sich auch heute Ihre Wünsche nicht erfüllen!
Ulrich Reineking-Drügemöller
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