: Vom Palast auf die Straße
■ Drugstore, Jugendcafé und PallasT: Die drei einzigen Jugendeinrichtungen im nördlichen Schöneberg sind durch Mietforderungen der BVG gefährdet
Den drei Jugend- und Kindereinrichtungen „Drugstore“, „Jugendcafé“ und „KulturpallasT“ in der Schöneberger Pallasstraße droht das Aus. Der Eigentümer, die BVG, hat den Jugendtreffs zum Jahresbeginn die Miete um 150 Prozent erhöht. Das Bezirksamt Schöneberg als Mieter ist nicht bereit, den neuen Quadratmeterpreis von 25 Mark zu zahlen.
Der über zehn Jahren laufende Mietvertrag sieht vor, daß die Miete alle drei Jahre auf die ortsübliche Vergleichsmiete angehoben werden kann. Nach eigenen Angaben könnte die BVG bei gewerblicher Nutzung der Räume bis zu 60 Mark verlangen. Nachdem die BVG die Zahlung der Mietrückstände bis zum 15. Juni verlangt hatte, sind die Gespräche zwischen BVG und Bezirksamt jetzt bis zu diesem Zeitpunkt verschoben worden.
„Wir hoffen immer noch, daß die BVG mit ihren Forderungen heruntergeht oder die Miete nur schrittweise erhöht“, sagt Rainer Thamm, amtierender Referent in der Abteilung Frauen, Jugend und Sport des Bezirksamts Schöneberg. Nachgedacht werde auch über finanzielle Umschichtungen innerhalb des Bezirks oder an Mittel aus der Senatsfinanzverwaltung. Aber noch sei nichts entschieden. Es würde auf jeden Fall alles getan, um die Einrichtungen zu erhalten, denn für die Jugendlichen gebe es in Nord-Schöneberg keine Ausweichmöglichkeit.
Die drei Einrichtungen leisten völlig unterschiedliche Arbeit. Im „Jugendcafé“ mit täglich fünfzig bis achtzig Besuchern finden Jugendliche Unterstützung bei Schulproblemen, Arbeitslosigkeit oder Ärger mit Polizei- oder Ausländerbehörden. Außerdem organisieren die Jugendlichen selber Veranstaltungen. Der „Drugstore“ versteht sich als selbstverwaltetes Jugendzentrum und kümmert sich um Trebegänger sowie Strafgefangene und bietet politische Veranstaltungen an. Im „KulturpallasT“ arbeiten die Pädagogen und Honorarkräfte vor allem mit Kindern zwischen sechs und vierzehn Jahren. Sie können dort unter anderem kochen, basteln, Theater spielen, funken lernen und Sport treiben.
Sollte die größte Jugendeinrichtung Schönebergs geschlossen werden, blieben die Besucher wieder sich selbst überlassen. Für viele Jugendliche wäre dies ein sicherer Schritt in die Drogen- und Kriminellenszene, fürchtet Murat Sengül, ausländerpolitischer Sprecher der Fraktion Grüne/AL in Schöneberg. Christiane Badenberg
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