Volle Badeseen in Berlin und Brandenburg: Abstand halten und abtauchen

Hitze in Berlin und nur eingeschränkt geöffnete Bäder – jetzt sind die Seen voll. Wer wollte es den Leuten verbieten? Die Politik hoffentlich nicht.

Junge Prinzenbad Schwimmbecken

Badespaß im Prinzenbad, hier aus Zeiten vor Corona Foto: picture alliance/Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

Es gibt so Dinge, die kann man den Menschen schwer verbieten. Bei knallender Sommerhitze die Feierabende und Wochenenden am Badesee zu verbringen gehört vermutlich dazu. Der Rückstau von krebsroten, sonnenstichigen Menschen unter Sonnenhüten (oder manchmal auch nur einem Frotteehandtuch überm Kopf) vor dem Einlass zum Strandbad Plötzensee reichte am letzten Ferienwochenende jedenfalls bis zur gut 500 Meter entfernten Seestraße.

Am Kiessee in Schildow, kurz hinter der Stadtgrenze nach Norden raus, stand die Autorin am Sonntag auf Tuchfühlung mit anderen Schwitzenden im badewannenwarmen Wasser zwischen losgelöst planschenden Kinderhorden.

Die Seen sind diesen Sommer gesteckt voll, im wahrsten Sinne des Wortes – und zwar nicht trotz, sondern wegen Corona. Bei 35 Grad Mittagshitze und einem pandemiebedingt nur limitierten Zugang zu den öffentlichen Schwimmbädern – die Sommerbäder in Neukölln, Kreuzberg und im Humboldthain sind bis nächste Woche Dienstag ausgebucht, im Strandbad Wannsee gibt's für den frühen Morgenslot noch Tickets – ist das nicht verwunderlich.

Vermutlich auch nicht verwunderlich ist, dass die LebensretterInnen von der Brandenburger DLRG bereits warnen: Man beobachte einen vermehrten Andrang an unbewachten Badestellen – und viele hielten sich nicht an die Baderegeln. 150 Einsätze habe es zwischen Donnerstag und Sonntag gegeben. Die vier Ertrunkenen vom vergangenen Wochenende, auch ein junger Mann im Plötzensee, passen ins Bild.

Die Infektionszahlen steigen wieder

Die Frage ist, was folgt daraus? Soll man jetzt die Bäder wieder öffnen? Keine gute Idee, wenn man sich die steigenden Infektionszahlen auch in Berlin anschaut, der Sprecher der Berliner Bäderbetriebe, Matthias Oloew, hat das auch bereits abgelehnt.

Soll man alle öffentlichen Badestellen an Seen stärker überwachen, mit Badeverboten und Bußgeldern drohen – also die absolute Verbotskeule schwingen, so wie Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) es getan hat, als sie am Montag in einem Zeitungsinterview über ein Alkoholverbot sinnierte. Zum Beispiel dort, wo sich die Kneipen drängen und die Menschen zuletzt unter beschwipst-beschwingter Missachtung aller Abstandsregeln eben auch.

Das wäre dann allerdings nicht konsequent, sondern konsequent falsch. Die Menschen würden woanders trinken, so wie sie auch woanders in den Parks zusammenkommen, um zu tanzen, solange die Clubs geschlossen sind. Und so, wie sie im August eben schwimmen gehen, wenn es draußen heiß ist.

Der Grat zwischen dem, was man vom Einzelnen verantwortet lassen will, und dem, was man einschränken muss, ist schmal und selten eindeutig. Das hat der Senat bisher, alles in allem, ganz gut gelöst. Insofern: Baderegeln lesen, Abstand halten. Und dann abtauchen.

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