Volker Finke wird Manager beim 1. FC Köln: Moralapostel am Rhein

Volker Finke übernimmt am 1. Februar die Nachfolge des entlassenen Managers Michael Meier beim 1. FC Köln. Konflikte sind bereits jetzt vorprogrammiert.

Ruhig bleiben: Volker Finke. Bild: dapd

Erst ein paar Stunden lag die 0:3-Niederlage des 1. FC Köln auf Schalke zurück, da war die Partie fast schon wieder vergessen am Dom. Angetrieben von der Exklusivmeldung einer Boulevardzeitung verkündete die Pressestelle des 1. FC Köln am Samstag um 21.12 Uhr, dass Volker Finke die Nachfolge des entlassenen Managers Michael Meier antritt. Am 1. Februar soll der langjährige Trainer des SC Freiburg die sportliche Leitung der abstiegsbedrohten Kölner übernehmen. Eine rätselhafte Lösung.

Schließlich hat der 62-Jährige sich immer skeptisch, manchmal sogar verächtlich gegenüber Fußballstandorten geäußert, in denen täglich mehrere Boulevardzeitungen um die spektakulärste Schlagzeile konkurrieren. Finke ist ein Moralist; wie dieser Mann in Köln zurechtkommen wird, ist eine Frage, die noch am Abend leidenschaftlich diskutiert wurde in den Kneipen der Stadt. Finke wollte sich dazu bis Sonntagnachmittag nicht äußern, er weilt in Japan, wo er noch bis Anfang Januar als Trainer der Urawa Red Diamonds um den Emperors Cup spielt.

Doch die Konfliktlinien sind bereits gezogen. Der Express kündigte den neuen Sportdirektor als "Oberlehrer" an, und auch die Bild schreibt: "Den oberlehrerhaften Ton, den der frühere Oberstudienrat in Freiburg zeitweise im Umgang mit Journalisten an den Tag legte, kann sich Finke in Köln kaum leisten."

Als ähnlich schwierig könnte sich aber auch die Zusammenarbeit zwischen dem gebürtigen Niedersachsen und Präsident Wolfgang Overath entpuppen. Der Weltmeister von 1974 ist ein großer Freund des Boulevard und als solcher eher kein Moralist. Beide Männer treten allerdings wie Alphatiere auf.

In Köln wird deshalb darüber spekuliert, ob diese Personalie ein Schritt auf dem Weg zur von vielen Leuten schon seit längerem geforderten Entmachtung Overaths ist. Schließlich ist es ist kaum denkbar, dass Finke sich in seine Arbeit hineinreden lässt. Aber das bleibt ebenso Spekulation wie die Theorie, dass er als Ersatztrainer für den unerfahrenen Frank Schaefer eingestellt wurde. Klar ist nur, dass die Entscheidung für Finke nicht hinter dem Rücken des Präsidenten gefallen ist.

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