: Vietnams Öl für Australien
■ Das größte Ölfeld außerhalb des Nahen Ostens vor der Küste Vietnams darf eine australische Firma ausbeuten / Australiens Wirtschaft orientiert sich auf Asien
Sydney (IPS/taz) – Die australische Gesellschaft BHP hat gemeinsam mit asiatischen Partnern den Zuschlag der vietnamesischen Regierung für die Ausbeutung des Ölfeldes Dai Hung erhalten. In Dai Hung, das vor der Südküste Vietnams liegt, sollen 700 bis 800 Millionen Barrel Öl und 84 Milliarden Kubikmeter Gas lagern – mehr als irgendwo sonst in der Welt, den Nahen Osten ausgenommen. Deshalb haben sich seit Jahren sämtliche international tätigen Ölkonzerne um gute Beziehungen zu den vietnamesischen Kommunisten bemüht.
Die BHP will jetzt offenbar über das Ölgeschäft hinaus weitere Kooperationen mit Vietnam eingehen. Im Gespräch sind neben einem bereits im Bau befindlichen kleinen Stahlwerk in Ho-Chi-Min- Stadt weitere neue Stahlhütten.
Mit dem 43,7-Prozent-Anteil, den die australische BHP an dem gemeinschaftlichen Ölprojekt hält, setzt das Unternehmen sich an die Spitze aller ausländischen Investoren in Vietnam. Die Firmengruppe wird wahrscheinlich auch Anteile an einer Raffinerie übernehmen.
Australien hat im Vergleich mit anderen ausländischen Investoren aus Japan oder den USA in Vietnam die Nase vorn. Im vergangenen Jahr hatte der australische Premierminister Paul Keating die Industrie aufgefordert, sich nicht länger an Europa zu orientieren, sondern Handelspartner in Asien zu suchen.
Zwar hatte der Staat 1967 ein Handelsembargo gegen Vietnam verhängt, es aber nach acht Jahren wieder aufgehoben. Im Anschluß an die Invasion Kambodschas hatte Canberra dann die diplomatischen Kontakte zu Vietnam abgebrochen.
In den achtziger Jahren, als Vietnam sich öffnete, normalisierten sich die Beziehungen wieder. Die BHP hatte sich übrigens geweigert, das Firmenbüro in Hanoi während des Handelsembargos zu schließen.
Das verschafft Australien jetzt entscheidende Vorteile, denn der US-amerikanischen Wirtschaft sind noch Fesseln angelegt. Washington überlegt noch den Zeitpunkt, zu dem die Sanktionen außer Kraft gesetzt werden sollen.
Schnell erkannte die australische Wirtschaft ihre Chance und gründete im vergangenen Jahr eine vietnamesisch-australische Handelskammer. Die staatliche Außenhandelsagentur Austrade entsandte parallel dazu einen Beauftragten nach Hanoi. Innerhalb eines Jahres wurde Australien mit Investitionen von 170,7 Millionen US-Dollar der fünftgrößte ausländische Investor in Vietnam.
Unternehmen vom fünften Kontinent sind im vietnamesischen Hotelgeschäft und Immobiliengeschäft ebenso aktiv wie in der Schuhproduktion und in Druckerein. Bevor die BHP den Zuschlag für das Ölfeld bekam, war Australiens Telefongesellschaft Telecommunications International (OTCI) der größte Anleger in Vietnam. OTCI bietet in Zusammenarbeit mit der vietnamesischen Telefongesellschaft nun die Auslandsverbindungen an. Das Handelsvolumen zwischen den beiden Staaten hatte sich bereits 1991 erhöht. Betrug der Wert der gehandelten Waren 1990 noch 27,2 Millionen Dollar, so stieg er 1991 schon auf 49,7 Millionen Dollar.
Der Erfolg von BHP hat viele australische Unternehmen aufmerksam gemacht. Doch Denis Wholley, Austrade-Vertreter in Hanoi, warnt vor zu großen Hoffnungen. „Tatsache ist, daß es hier wenig Möglichkeiten gibt. Der Mangel an harten Devisen schmälert die Handelsaussichten.“ Das gilt freilich nicht für die weltmarktfähigen Rohstoffe Öl und Gas. Kalinga Seneviratne
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