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Vertrauensschwund schlimmer als Geldverlust

■ Treuhand rechnet mit nur 300 Millionen Mark Verlusten durch Kriminalität / Rechtfertigung des Verkaufs der Thüringischen Faser an die Dalmia-Gruppe

Berlin (dpa/taz) – Die Treuhand versucht den Eindruck zu verwischen, unter den Investoren befänden sich zahlreiche Betrüger. Und vor allem tritt sie Rechnungen entgegen, die den so entstandenen Schaden für die SteuerzahlerInnen auf mehrere Milliarden DM beziffern. Allenfalls 300 Millionen Mark seien in dunkle Kanäle geflossen, behauptet sie in einem Papier — obwohl zuvor auf die Unmöglichkeit derartiger Berechnungen hingewiesen wurde.

Der Hauptschaden der Vereinigungskriminalität liege nicht so sehr in quantifizierbaren DM-Beträgen als vielmehr „im Verlust des Vertrauens in die Verteilungsgerechtigkeit der Wettbewerbswirtschaft.“ Deshalb fordert die Treuhand die staatlichen Strafverfolgungsbehörden auf, „für eine rasche und effektive Repression (zu) sorgen, damit sich bei dem ehrbaren und redlichen Investor und Bürger nicht der Eindruck einstellt: Verbrechen lohnen sich.“ In den letzten Monaten wurde die Einrichtung von fünf Vertrags- Management-Direktoraten und einer Controlling-Abteilung vorbereitet, die am 1. Juli ihre Arbeit aufnehmen sollen. Sie sollen die Einhaltung der Verträge zentral überwachen und mögliche Nachverhandlungen führen.

In der letzten Woche waren mehrere vermeintliche Investoren festgenommen worden, die Investitionshilfen kassiert und auf private oder ausländische Konten überwiesen hatten.

Zum Fall der Thüringischen Faser AG (TFS) in Rudolstadt-Schwarza erklärte Treuhand-Sprecher Wolf Schöde gestern, daß eine Lösung zur Sicherung der Liquidität gefunden werden solle. Mit Rücksicht auf die laufenden Verhandlungen aber wollte er nichts näheres dazu sagen. Die Treuhand sei jedoch von der Lebensfähigkeit der TFS überzeugt.

Die TFS steht kurz vor der Pleite, weil der vermeintliche Investor neun Millionen Mark Festgeld auf ein Konto in Kuala Lumpur überwiesen hatte. Schöde sagte, die Treuhand fordere unverändert die Rückführung des Geldes, das der Investor, die Dalmia-Gruppe, offensichtlich ab November 1992 als Sicherheit für die seit Februar 1993 in Konkurs befindliche Muttergesellschaft, die 21st Century Oil, eingesetzt hatte.

Schöde und der für den Chemie- Bereich zuständige Controller der Treuhandanstalt, Gert Goelke, verteidigten die Privatisierung der TFS an die indische Dalmia- Gruppe. Dalmia sei der einzige Interessent gewesen. Alle eingeholten Erkundigungen hätten ergeben, daß Geschäftsbeziehungen mit ihr empfohlen worden seien. Als Alternative zum Verkauf des gesamten Unternehmens habe es nur die Zerschlagung in mehrere Teile gegeben. Die TFS sei von der Treuhand in dreistelliger Millionen-Höhe entschuldet worden. Sie zahlte ferner 40 Millionen DM als Grundkapital ein, das letztlich liquide Masse für den Investor dargestellt habe. Aus der Treuhand seien seit Januar letzten Jahres 24 Millionen in die TFS geflossen.

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