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Vertane Zeit?

■ zu „120 StudentInnen im Seminar? Dann lieber Radio!“ vom 20.2. (“Hochschulreform“)

„Seit 1975 hat sich die Zahl der Studierenden in den alten Bundesländern von 836.000 auf ca. 1,8 Millionen verdoppelt und wird in etwa drei Jahren die Zwei-Millionen-Grenze übersteigen.“ — So etwa klingen offizielle Zahlen, die wenig besagen. Von rund einem Drittel (600.000) ist nicht einmal bekannt, wo sie sind. Diejenigen, die interessehalber einige Seminare belegen und sich dann exmatrikulieren, gehen ebenso in die „Studienabbrecher-Statistik“ ein wie die, welche abbrechen, weil sie nebenbei nicht genug Geld verdienen können. Mit einer Reihe weiterer Beispiele ließe sich belegen, daß Arithmetik sehr geschickt vom Verlust der Humanität als dem eigentlichen Problem der Hochschulen ablenken kann.

Den „amerikanischen Traum“ gibt es nicht — und es hat ihn vermutlich nie gegeben: Was versäumt ein Mensch, der sich Zeit läßt, um zu studieren? Selbst wenn sich Interessen verändern, Fächer oder Studienorte gewechselt werden, muß das keine Orientierungslosigkeit sein, sondern kann einen erfreulichen Findungsprozeß markieren. Ich habe nie die Angst verstanden, ein langes Studium sei vertane Zeit, weil ich der Überzeugung bin, daß Bildung stets etwas nützt, wenn sie nicht das Lernen blockiert. Andre Beßler

ehem. wissenschaftl. Mitarbeiter an der Uni Bremen

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