Verstoß gegen Gefängnisregeln: Manning entgeht Isolationshaft

Wegen einer „Respektlosigkeit“ und Bücherbesitz landete Wikileaks-Informantin Chelsea Manning vor dem Disziplinarausschuss. Nun wurde sie bestraft.

Ein Demo für die Freilassung Chelsea Mannings. Menschen tragen Plakate mit ihrem Gesicht.

Demonstranten setzten sich im Juni 2015 auf der „Gay Pride Parade“ in San Francisco für die Freilassung Mannings ein. Foto: reuters

WASHINGTON afp | Die inhaftierte Wikileaks-Informantin Chelsea Manning ist in einem Disziplinarverfahren der Isolationshaft entgangen. Wie Manning am Dienstag über den Kurznachrichtendienst Twitter bekannt gab, entschied ein Disziplinarausschuss des Gefängnisses Fort Leavenworth im US-Bundesstaat Kansas, dass sie stattdessen drei Wochen lang nicht den Fitnessraum, die Bibliothek und den Hof der Strafanstalt benutzen dürfe. Nach Mannings Einschätzung wirkt ihre Bestrafung allerdings weit über diese Zeit heraus: „Diese Verurteilungen werden mich für immer bei jeder Berufungs- und Gnadenanhörung verfolgen“, kritisierte sie.

Wie aus von ihren Unterstützern veröffentlichten Dokumenten hervorgeht, war Manning unter anderem wegen „Respektlosigkeit“ bei einer Mahlzeit Anfang Juli vor den Disziplinarausschuss gestellt worden, bei dem sie Essen auf den Boden geworfen haben soll. Außerdem sei sie im Besitz von eingeschmuggelten Büchern und Zeitschriften sowie einer abgelaufenen Zahncreme gewesen.

Mannings Anwalt Chase Strangio verurteilte das Disziplinarverfahren. „Niemand sollte der Androhung von Isolationshaft ausgesetzt sein, weil er über die Zustände in der Welt liest und schreibt“, erklärte der Jurist. Nach Angaben ihrer Unterstützer-Website chelseamanning.org hatten fast 100.000 Menschen eine Petition unterzeichnet, die sich gegen das Disziplinarverfahren gegen Manning richtete. Abgesehen von der Website kommuniziert Manning auch via Twitter-Botschaften mit der Außenwelt, die sie ihren Unterstützern am Telefon diktiert.

Die als Mann mit dem Namen Bradley Manning bekannt gewordene Informantin hatte während der Stationierung im Irak hunderttausende Armeedokumente sowie Depeschen der US-Diplomatie von Militärrechnern heruntergeladen und der Internet-Enthüllungsplattform Wikileaks zugespielt. Nach eigenen Angaben wollte Manning eine öffentliche Debatte über die Kriege in Afghanistan und im Irak anstoßen. Im Mai 2010 wurde der damalige Obergefreite auf einem Stützpunkt nahe Bagdad festgenommen, im August 2013 wurde Manning zu 35 Jahren Haft verurteilt.

Nach der Verurteilung hatte Manning angekündigt, sich ab sofort Chelsea zu nennen und als Frau leben zu wollen. Im April vergangenen Jahres genehmigte ein US-Gericht ihre Namensänderung. Im Februar erlaubte die US-Armee der 27-Jährigen dann auch eine Hormonbehandlung zur Geschlechtsumwandlung.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de