piwik no script img

Verheugen im Spagat

■ Parteitag der SPD Sachsen-Anhalts beschäftigt sich mit der PDS

Bernburg (taz) – SPD-Bundesgeschäftsführer Günter Verheugen zieht's zu den Akrobaten. Der politische Spagat, den er in Sachen sozialdemokratischer Kontakte zur PDS auf dem Landesparteitag der SPD in Sachsen-Anhalt hinlegte, war durchaus sehenswert. „Jede Art von Verbrüderung mit der PDS wäre ein Verleugnen unserer eigenen Geschichte“, findet der Sozialdemokrat, bekräftigt aber, daß „die praktische Form der Kontakte zu den PDS-Abgeordneten im Magdeburger Landtag ausschließlich die SPD-Landtagsfraktion etwas angeht und niemand sonst“.

Der Kotau gegenüber den Sozis von Sachsen-Anhalt war notwendig, da der SPD-Bundesvorsitzende Rudolf Scharping so etwas wie einen Kontaktsperre-Erlaß gegenüber der PDS verhängen will.

Verheugen versuchte, die Wogen zu glätten. „Niemand im Bundesvorstand arbeitet an einem Unvereinbarkeitsbeschluß, und auch von einem Abgrenzungsbeschluß kann keine Rede sein.“ Allerdings müsse die SPD der PDS das Wasser, sprich, die Wähler abgraben. „Die Frage ist doch, wie wir den PDS-Wählern und einem Teil ihrer Mitglieder eine neue und bessere politische Heimat bieten können“, fand Verheugen. Die SPD brauche Strategien, um zu verhindern, daß sich die PDS langfristig als ostdeutsche Regionalpartei etablieren könne, „weil damit auf Dauer die Möglichkeit sozialdemokratischer Mehrheiten verhindert wird“.

Auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reinhard Höppner versuchte, Schreckgespenster der Bonner Parteizentrale zu verjagen. „Eine Koalition mit der PDS wird es nicht geben“, versicherte Höppner. Dafür bestehe keine Notwendigkeit, weil seine rot-grüne Minderheitsregierung bis zum regulären Ende der Legislaturperiode stabil bleibe. „Und wenn sich die alte nationale Front von CDU und PDS zusammentut, um Mehrheiten unserer Regierung dauerhaft zu verhindern, werde ich eher Neuwahlen ausschreiben, als die PDS an den Kabinettstisch zu holen.“ Eberhard Löblich

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen