Vegetarierbund-Frau über Ehec: "Schuld ist wieder der Fleischkonsum"

Das Problem der Ehec-Bakterien rührt aus der Tierhaltung für die Fleischindustrie, sagt Veganerin Silke Bott. Sie rät, weiter Obst und Gemüse zu essen, nachdem man es gründlich gewaschen hat.

Bauer schreddert Salat aufs Feld: "Es existieren bisher ja überhaupt keine Informationen darüber, auf wie vielen Flächen Gülledüngung eingesetzt wird." Bild: dpa

taz: Frau Bott, essen sie gerade noch Rohkost?

Frau Bott: Natürlich. Das Robert-Koch-Institut sagt ja nur, dass man Salat, Tomaten und Gurken meiden und nicht roh essen soll, wenn man in Norddeutschland lebt. Es gibt darin viele Wenns. Ich gehe also mit gesundem Menschenverstand ran: Ich wasche mein Gemüse und achte auf die Hygiene, wie es das Robert-Koch-Institut empfiehlt, für mich reicht das aus.

Wer dachte, ich lebe gesund, kaufe nur Bio ein und ernähre mich vegetarisch, der wird gerade mit einer herben Enttäuschung konfrontiert, oder?

SILKE BOTT, 28, leitet beim Vegetarierbund Deutschland (Vebu), 1892 gegründet, die Kampagne „Donnerstag ist Veggietag“. Mit 17 Jahren hat sie aufgehört Fleisch zu essen, vor sechs Jahren wurde sie Veganerin.

Ja. Als vegetarisch lebender Mensch kann man sich gerade sehr aufregen. Denn wieder stammt das Problem mit großer Wahrscheinlichkeit ja von den Tieren und der Tierhaltung für die Fleischindustrie. Denn nur über die Ausscheidungen von Wiederkäuern wie Rindern, Schafen und Ziegen und das Düngen mit diesen Ausscheidungen sind die Erreger wahrscheinlich auf die Felder gelangt. Die Ursache liegt also erneut beim Fleischkonsum. Salat und Gemüse, die nicht in Berührung mit Fäkalspuren kommen, sind frei von Ehec-Erregern. Außerdem kann man von ihrem Konsum auch keine Salmonellen bekommen.

Was kann man also tun? Schließlich ist die Gülledüngung auch im Biolandbau nicht verboten, oder?

Ja, sie ist möglich. Es gibt allerdings bio-veganen Landbau, der ganz ohne Gülledüngung auskommt. Aber diese Modelle existieren kaum, und die Verbraucher haben wenig Möglichkeiten, solches Gemüse zu kaufen.

Wie soll man als Verbraucher überhaupt heraus bekommen, ob mein Gemüse mit Fäkalien gedüngt wurde?

Das ist schwer. Es existieren bisher ja überhaupt keine Informationen darüber, auf wie vielen Flächen in der Landwirtschaft in Deutschland Gülledüngung eingesetzt wird. Es wird in NRW mit Gülle gedüngt, aber nur Getreide, Mais und Raps, kein Gemüse. Gleichzeitig liest man dann, dass Düngung mit Kompost bei Gemüse erlaubt ist – und dass Gülle auch als Kompost bezeichnet werden kann.

Bei den Fleischskandalen – Schweinepest oder BSE – gab es große Kritik an den Vertriebswegen: Verbraucher können kaum nachvollziehen, woher das Fleisch kommt. Sieht das denn bei Gemüse oder Obst anders aus?

Heute kann man im Supermarkt Gemüse und Obst kaufen, das aus der ganzen Welt kommt. Im Zweifelsfall verbreiten sich dann auch Krankheiten möglicherweise über die ganze Welt, wenn etwas verseucht ist, wie das bei den Fleischskandalen der Fall war. Die Angaben im Supermarkt reichen bei weitem nicht aus: Dort steht ja meistens nur, dass die Tomaten aus Spanien oder den Niederlanden kommen. Aber aus welcher Region, ob aus dem Gewächshaus oder nicht, wie das Gemüse behandelt wurde, darüber erfährt man nichts. Es ist also immer besser, regional einzukaufen, am besten bei einem Bio-Bauern, den man kennt und wo man weiß, dass er vernünftig produziert. Auch die CO2-Bilanz fällt deutlich besser aus, wenn die langen Transportwege entfallen.

Sie werben für die vegetarische Lebensweise – rufen bei Ihnen jetzt besorgte Bürger an, die nicht mehr wissen, was sie noch essen sollen?

In der Tat. In der Öffentlichkeit wird leider auch wenig differenziert, es heißt in vielen Medien, man solle gar kein Gemüse mehr essen. Das ist übertrieben. Bei uns hat sich jemand gemeldet, der ißt jetzt gar kein Obst oder Gemüse mehr. Das geht völlig in die falsche Richtung. Der Vebu rät weiterhin, Obst und Gemüse zu essen. Man muss es waschen und normale Hygienemaßnahmen einhalten, dann ist man kaum in Gefahr, über die Ernährung mit Ehec-Erregern in Kontakt zu kommen.

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